Save the Children Konzept

Com-Netzwerke: Risiken erkennen – gemeinsam handeln II

Im zweiten Teil der Aktivität analysieren die Schüler*innen anhand eines Fallbeispiels schädliche Online-Netzwerke. Sie untersuchen, wie deren Dynamiken über verschiedene Apps hinweg funktionieren, bewerten unterschiedliche Warnsignale und überlegen, was hätte getan werden können, um früher Unterstützung einzubeziehen.

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

So geht's

 Com-Netzwerke: Risiken erkennen – gemeinsam handeln II

Hintergrundinformationen zum Thema

In der heutigen digitalen Umgebung können schädliche Online-Netzwerke komplexe und fragmentierte Strukturen bilden und sich aus öffentlichen Räumen in geschlossene oder weniger sichtbare Gemeinschaften verlagern. Einfache Präventionsregeln reichen deshalb nicht immer aus, um Dynamiken wie Manipulation, Isolation und Zwang zu erkennen. Ziel dieser Unterrichtseinheit ist es, den Schüler*innen Werkzeuge an die Hand zu geben, mit denen sie solche Verhaltensmuster frühzeitig erkennen können. 

Betone außerdem die Bedeutung von Unterstützungsnetzwerken aus Mitschüler*innen, Familien und Lehrkräften. Keine einzelne Person verfügt über das vollständige Bild. Früher Schutz hängt deshalb davon ab, dass Beobachtungen aktiv miteinander geteilt und gemeinsam eingeordnet werden. Vermittle den Schüler*innen, dass es nicht erforderlich ist, bereits einen vollständigen Beweis zu haben, bevor sie Hilfe suchen. 

Mach deutlich, dass es in dieser Unterrichtsstunde darum geht, Manipulation, Verletzlichkeit und Unterstützung zu verstehen – nicht darum, etwas zu untersuchen oder zu beweisen. Die Schüler*innen sollen nach dem Unterricht nicht selbstständig nach diesem Thema suchen, keine Challenges auf Plattformen ausprobieren und mutmaßliche Gruppen nicht eigenständig konfrontieren. 

Das Teilen persönlicher Erfahrungen ist freiwillig. Wenn etwas aus der Diskussion belastend wirkt oder einen Bezug zu einer aktuellen Situation hat, erinnere die Schüler*innen daran, dass sie sich vertraulich an dich oder eine zuständige Ansprechperson wenden können. Betone ausdrücklich, dass es keine Schwierigkeiten verursacht, wenn sie für sich selbst oder für eine Freundin bzw. einen Freund Hilfe holen. 

Bevor ihr beginnt, erinnere die Klasse daran 

  • keine realen Personen, Schulen, Accounts, Symbole oder Gruppennamen zu benennen, 
  • keine problematischen Inhalte oder Accounts zu suchen oder zu teilen, 
  • respektvoll miteinander umzugehen und unterschiedliche Meinungen anzuhören. 

Einführung (5 Minuten)

  1. Begrüße die Schüler*innen und erkläre, dass sie sich heute nochmal tiefgreifender mit schädlichen Online-Netzwerken beschäftigen werden.
  2. Frage die Klasse, ob sie mit Blick auf die letzte Stunde noch einmal wiederholen können, worum es sich bei „Com-Netzwerken“ handelt.
  3. Nachdem sie ihr Wissen rekapituliert haben, gehst du genauer auf die Dynamiken der Netzwerke ein und erklärst, wie sie über verschiedene Plattformen operieren.
Hintergrundinformation: Die Dynamiken der Com-Netzwerke

Bei Com-Netzwerken handelt es sich nicht um eine einzelne geschlossene Organisation, eine bestimmte Website oder eine Gruppe mit sichtbaren offiziellen Regeln. Gemeint sind vielmehr verschiedene miteinander verbundene Netzwerke, Kanäle und Server, die über unterschiedliche Apps und Softwareoberflächen verteilt sind. In diesen digitalen Umgebungen stehen Gruppendynamiken im Mittelpunkt, die ihren Mitgliedern oder anderen Personen Schaden zufügen können. 

Ein wesentliches Merkmal ist, dass solche Räume gleichzeitig auf unterschiedlichen Kommunikationsplattformen aktiv sein können. Die Beteiligten kommunizieren häufig sowohl in öffentlichen als auch in privaten Chats und Foren. Die interne Struktur basiert unter anderem auf dem Versprechen von Zugehörigkeit und einer gemeinsamen Gruppenidentität – allerdings unter Bedingungen, die mit schädlichen Handlungen verbunden sein können. 

  1. Erkläre den Schüler*innen nun, dass sie heute anhand eines angeleiteten, fiktiven Fallbeispiels für das digitale Security-Unternehmen SMILE arbeiten. Ihre Aufgabe ist es, Warnsignale zu erkennen, nachzuvollziehen, wie sich Situationen über mehrere digitale Räume hinweg entwickeln können, und die frühesten Momente zu identifizieren, in denen Unterstützung hätte hinzugezogen werden können.
    Stelle Sarah vor: ein Teenager, deren Online-Kontakte im Laufe der Zeit zunehmend geheim, isolierend und riskant geworden sind.

Fallbeispiel: Chatnachrichten analysieren (20 Minuten)

  1. Vorbereitung der Aufgabe: Teile die Schüler*innen in Gruppen ein und gib jeder Gruppe die benötigten Materialien (Schere, Stift, Papier, Textmarker) sowie das Arbeitsblatt mit den Gesprächsausschnitten. Bitte die Schüler*innen zunächst, die einzelnen Ausschnitte auszuschneiden.
  2. Erkläre, dass die Ausschnitte Gespräche von Sarah mit anderen Personen auf verschiedenen Plattformen und in unterschiedlichen digitalen Umgebungen zeigen. Die Ausschnitte verdeutlichen, wie eine Situation im Laufe der Zeit zunehmend geheim, kontrollierend und riskant werden kann.
  3. Aufgabenstellung: Jede Gruppe soll die Ausschnitte lesen, sie zu einer logischen Zeitleiste ordnen und die Warnsignale identifizieren, die in den einzelnen Phasen auftreten. Die Schüler*innen müssen dabei genau lesen und nach Hinweisen suchen, die die einzelnen Gespräche miteinander verbinden.
  1. Arbeitsphase: Gib den Gruppen ausreichend Zeit, die Gespräche aufmerksam zu lesen und mithilfe der Hinweise logisch zu ordnen. Unterstütze die Gruppen, die dabei Hilfe benötigen.
  2. Lösung der Zeitleiste: Besprecht anschließend die Reihenfolge gemeinsam. Bitte die Schüler*innen, auf die Nummer in der Ecke jedes Gesprächsausschnitts zu schauen. Diese Nummer dient ausschließlich dazu, die endgültige Reihenfolge zu überprüfen.
    Richtige Reihenfolge: 7 – 5 – 9 – 3 – 4 – 1 – 6 – 10 – 8 – 2.
  3. Wechsel der Plattformen: Frage die Gruppen, wie viele Apps oder Websites in den Gesprächen vorkommen. Die richtige Antwort lautet: vier.
  4. Nutze diesen Moment, um noch einmal zu verdeutlichen: Schädliche Online-Netzwerke funktionieren nicht unbedingt innerhalb eines einzigen digitalen Raums. Sie können von einer App oder Website zur nächsten wechseln. Dadurch können sie schwerer erkannt oder nachvollzogen werden.
  5. Warnsignale markieren: Bitte die Gruppen nun, drei Warnsignale zu finden, die darauf hindeuten, dass die Situation zunehmend geheim, kontrollierend, isolierend oder riskant wird. Die Schüler*innen sollen diese Stellen auf den Karten mit ihrem Textmarker markieren.
  6. Warnsignale vorstellen: Lass anschließend jede Gruppe ihre markierten Warnsignale vorstellen. So wird deutlich, dass solche Umgebungen zunächst freundlich oder attraktiv wirken können, sich aber zunehmend negativ auf das Wohlbefinden der betroffenen Person auswirken.

Hintergrundinformationen für Lehrkräfte
In den Gesprächen finden sich unter anderem folgende Warnsignale:

  • Druck, Geheimnisse zu bewahren;
  • Aufforderung, sich von Freund*innen zu distanzieren;
  • plötzliche Veränderungen in Sprache oder Tonfall;
  • Loyalitätstests;
  • Demütigung, die als Humor dargestellt wird;
  • Verknüpfung von Status mit riskantem Verhalten;
  • Angst davor, die Gruppe zu verlassen.

Fallbeispiel: Gesprächsausschnitte von Vertrauten analysieren (15 Minuten)

  1. Behaltet die erarbeitete Zeitleiste in den Gruppen bei und gib jetzt das Handout mit den Aussagen der Freunde, Familie und Lehrkräfte von Sarah hinzu. Jede Gruppe bekommt ein Exemplar und soll die Aussagen ausschneiden.
  1. Zusammenhänge herstellen: Erkläre, dass die letzte Aufgabe darin besteht, die Chat-Gespräche aus dem ersten Teil der Aufgabe mit den neuen Aussagen zu verbinden. Die Gruppen sollen herausfinden, an welchen konkreten Stellen die jeweiligen Personen oder Personengruppen hätten aufmerksam werden und Unterstützung für Sarah einleiten können.

Erkläre beispielsweise: In einem Gespräch wird deutlich, dass Sarah zu einer Geburtstagsfeier eingeladen wurde, aufgrund des Drucks ihrer Online-Kontakte aber nicht hingehen wollte. Diese Information findet sich auch in der Aussage ihrer Freundinnen.

  1. Diskussion: Gib den Gruppen etwas Zeit für die Aufgabe. Starte anschließend eine Diskussion: Ist euch aufgefallen, dass keine einzelne Person und keine einzelne Gruppe das vollständige Bild der Situation besitzt?
  2. Arbeite heraus, dass Mitschüler*innen, Familien, Lehrkräfte und Plattformen jeweils unterschiedliche Teile der Situation wahrnehmen können. Frühe Unterstützung hängt deshalb häufig davon ab, dass diese einzelnen Beobachtungen ernst genommen und zusammengeführt werden. Dafür ist die Zusammenarbeit zwischen denjenigen notwendig, die jeweils unterschiedliche Warnsignale bemerken.

Abschluss (5 Minuten)

  1. Frage die Schüler*innen zum Abschluss, was die verschiedenen Personengruppen in dem Moment hätten tun können, als sie die jeweiligen Warnsignale bemerkten. Frage außerdem, ob die Situation möglicherweise früher und wirksamer hätte gelöst werden können, wenn die verschiedenen Gruppen miteinander gesprochen hätten.
  2. Fasse die Ergebnisse der Stunde in vier zentralen Grundprinzipien zusammen:
    • Es ist wichtig, die Warnsignale zu erkennen, die ihr heute kennengelernt habt.
    • Versucht nicht, solche Gruppen oder Situationen auf eigene Faust zu untersuchen.
    • Erstellt oder verbreitet keine schädlichen Inhalte und fördert keine Geheimhaltung.
    • Wenn ihr merkt, dass ihr selbst Teil eines schädlichen Online-Netzwerks werdet, oder wenn ihr bei einer Mitschülerin oder einem Mitschüler entsprechende Warnsignale bemerkt, wendet euch schnell an eine vertrauenswürdige erwachsene Person oder einen geeigneten Schutz- und Unterstützungsweg.

Erweiterung (15 Minuten)

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht oder die Schüler*innen schneller als erwartet vorankommen, kannst du die abschließende Diskussion erweitern.

Weniger Zeit?

Wenn weniger Zeit zur Verfügung steht, kannst du die Reihenfolge einiger Gesprächsausschnitte vorgeben oder den Schüler*innen direkt die vollständige Reihenfolge nennen.
Viel Spaß beim Ausprobieren

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