Save the Children Konzept

Meine Daten- Meine Wahl: Freigabe persönlicher Daten

Warum sehen wir online genau das Video, den Post oder genau die Produkte? Die Schülerinnen entdecken, wie digitale Plattformen mit ihren Daten arbeiten und welche Spuren sie dabei hinterlassen. Sie lernen den Unterschied zwischen bewusst angegebenen und automatisch abgeleiteten Daten kennen, reflektieren personalisierte Feeds, Werbung und emotionale Beeinflussung und erfahren, welche Rechte sie im digitalen Raum haben.

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

Meine Daten - Meine Wahl_Konzept_Save the Children
So geht's

Meine Daten - Meine Wahl

Vorbereitung

  • Beamer/Display als Präsentationsfläche

  • Optional bei analoger Durchführung: Klebezettel (zwei Farben) oder Marker bereitlegen

  • Optional: Taskcard oder digitales Whiteboard zur Ergebnissicherung einrichten

Einführung (5 Minuten)

Beginne die Stunde mit einem kurzen Impuls, um das Vorwissen der Schüler*innen zu aktivieren und auf das Thema Datenschutz aufmerksam zu machen.

Starte mit einer kleinen digitalen Umfrage oder einem Handzeichen-Spiel:

  • Wer hat schonmal eine Datenschutzeinstellung einer App verändert? 👍/👎
  • Wer hat das noch nie gemacht? 👍/👎
  • Wer liest die Nutzungsbedingungen durch, bevor diese „Akzeptiert“ werden? 👍/👎
Leite anschließend zur Zielsetzung der Stunde über: Viele Menschen, besonders Jugendliche, überspringen Datenschutzoptionen in Apps. In dieser Einheit geht es darum, welche Daten wir preisgeben, warum Schutzeinstellungen wichtig sind und wie wir bewusster damit umgehen können.

Betone, dass es in der Einheit nicht darum geht, Technik zu verteufeln, sondern herauszufinden, wie personalisierte Daten gesammelt werden, die für Empfehlungen genutzt werden und wie man selbstbestimmt damit umgehen kann. 

Informationen für Lehrkräfte

Apps sind Informationssammler

Jede App auf einem Smartphone kann man sich wie eine sehr aufmerksame Notizschreiber*in vorstellen. Bei jeder Nutzung „beobachtet“ sie, was der/die Nutzer*in tut und welche Informationen preisgegeben werden (von Profilname, Geburtstag und Selfies bis hin zu Kommentaren und Likes).

Dabei werden nicht nur bewusst geteilte Daten erfasst: Auch die Dauer, wie lange der Mauszeiger oder Finger auf einem Video verweilt, welche Beiträge übersprungen werden, welche WLAN-Netze in der Nähe sind oder sogar Akkustand des Geräts können erfasst werden. In Kombination mit Standortdaten und Kontaktlisten entsteht so ein sehr genaues Bild davon, wer die Person ist, wo sie sich aufhält und welche Interessen und Aufmerksamkeitsmuster sie hat. 

Diese Einzelinformationen werden zu einem detaillierten digitalen Profil verknüpft. Plattformen erkennen beispielsweise, dass jemand regelmäßig nach 22 Uhr Skateboard-Videos ansieht, eine bestimmte Sneaker-Marke bevorzugt oder jedes Tierrettungsvideo teilt.

Aus diesen Mustern lasen sich Rückschlüsse auf Alter, Wohnort, Einkommen und Vorlieben ziehen. Dieses Profil wird fortlaufend verfeinert, intern genutzt, häufig auch kommerziell ausgewertet oder weitergegeben. Es beeinflusst, welche Werbung auf dem Heimweg von der Schule erscheint, welche Nachrichtenartikel im Feed auftauchen oder welche neuen Kontakte vorgeschlagen werden.

Der Eindruck, dass das Internet „kostenlos“ ist, täuscht. Die eigentliche Währung sind Aufmerksamkeit und persönliche Daten. 

Rechtlich haben Nutzer*innen, auch Jugendliche, unter der Datenschutz-Grund-Verordnung (DSGVO) wichtige Rechte.

  • Plattformen müssen in verständlicher Sprache erklären, welche Daten sie erheben und wofür.
  • Einwilligungen können widerrufen, gespeicherte Daten vollständig angefordert oder die Löschung einzelner Inhalte verlangt werden.
  • Auch ein Datenumzug zu einem anderen Anbieter ist möglich.

Wer diese Rechte kennt, kann vom Gefühl der Ohnmacht in eine selbstbestimmte Haltung wechseln, mit der Möglichkeit, kritisch zu hinterfragten, abzulehnen oder zu löschen.

Praxisteil (30 Minuten)


Übung: Wahrgenommene Kontrolle über eigene Daten (5 min) 

  • Starte die Übung mit einer kurzen Gesprächsrunde im Plenum.
  • Frage die Klasse: „Warum glauben viele Jugendliche, dass sie nur wenig Kontrolle über ihre eigenen Daten haben?“
  • Erkläre, dass „Daten“ hier alle Informationen meinen, die Geräte oder Apps über eine Person speichern – nicht nur Name oder Geburtstag, sondern auch Verhaltensmuster wie Suchbegriffe, Verweildauer auf Videos oder Standortdaten.
Beispiele für gesammelte Daten
  • Benutzername 
  • Suchverlauf 
  • Lieblingssongs 
  • Standortdaten 
  • Dauer, wie lange ein Video angesehen wird 
  • Angeklickte Links 
  • Genutztes WLAN 
  • Erkläre anschließend, dass es völlig normal ist, wenn einige das Gefühl haben, keine Kontrolle über ihre Daten zu haben. Eine Studie von 2023 zeigt, dass 60 % der befragten Jugendlichen sich machtlos im Umgang mit ihren Daten fühlen.
  • Betone, dass es in dieser Stunde darum geht, dieses Gefühl ernst zu nehmen und über die digitalen Rechte von Jugendlichen zu sprechen.

Übung Daten sichtbar machen: Was weiß mein Smartphone über mich? (25 min) 

In der nächsten Übung sollen die Schüler*innen nun reflektieren, welche Daten von ihnen bei verschiedensten Anwendungen auf dem Smartphone gesammelt werden.

  • Die Jugendlichen arbeiten dazu in Paaren. Jeder erzählt dem/der Partner*in von einem Spiel, einer Website oder einer Aktivität, die sie am Handy nutzen.
  • Anschließend überlegen sie gemeinsam, welche ihrer Handlungen die App möglicherweise „mitbekommt“. Ihre Ergebnisse notieren sie auf einem Zettel oder auf einem interaktiven Whiteboard.

Gib den Schüler*innen ihre Aufgabe.
KI Detektiv Illustration
Aufgabe:

Stell dir vor: Wenn dein Handy dich den ganzen Tag begleiten würde, was wüsste es bis zum Abend?

  1. Entscheide dich für eine App, die du häufig auf deinem Smartphone nutzt und schreibt gemeinsam im Team alle Informationen auf, die die App sammeln könnte.
  2. Bedenke dabei die Beispiele von Datenarten, die wir zuvor besprochen haben.

Informationen für deine Schüler*innen

Jede App ist ein aufmerksamer Beobachter

Zusätzlich kannst du den Jugendlichen erklären:

Jede App ist wie ein aufmerksamer Beobachter – nicht einfach nur eine Kamera, sondern wie ein neugieriger Freund, der alles notiert, was du tust – und sogar vorhersagen könnte, was du als Nächstes machst.

Jedes Mal, wenn du auf deinem Handy wischst oder tippst, entsteht ein Eintrag: 

  • Du drückst „Gefällt mir“ bei einem Fußball-Meme → die Notiz merkt sich, dass du dich für die „Bundesliga“ interessierst. 
  • Dein GPS meldet um 15:32 Uhr → die Notiz weiß, dass du um 15:32 Uhr am Schultor warst. 
  • Dein Handy warnt bei 15 % Akku → die Notiz merkt, dass du heute viel genutzt hast. 
  • Du scrollst an einer Werbung für Sneaker vorbei → die Notiz könnte sagen, dass dich Sneaker nicht interessieren. 
Im Anschluss werden die Ergebnisse im Plenum gesammelt. Falls die Schüler*innen ihre Punkte in einem kollaborativen Whiteboard notiert haben, können die Ergebnisse nach Kategorien sortiert werden. Alternativ können Stichworte an die Tafel geschrieben werden. So bekommen alle ein Bild davon, wie viele Daten unterschiedlichster Art in Apps gesammelt werden. Viele kleine Notizen ergeben zusammen ein genaues Bild jedes Users.

Erkläre nun wie wir zwischen den Daten unterscheiden können:

  1. Angegebene Daten: Angaben, die die Jugendlichen bewusst machen (z. B. Profilname, E-Mail, Selfie).
  2. Abgeleitete Daten: Schlüsse, die die App aus dem Verhalten zieht (z. B. Stimmung, Lieblingssport, weitere Interessen).
Die Schüler*innen sollen jetzt überlegen, welche Daten zu angegebenen Daten 💻 und abgeleiteten Daten 🧠 gehören. Überlegt euch dafür eine Markierung (z.B. Emojis oder farbige Marker/Klebepunkte).

Lass sie die folgenden Datenarten zuordnen: 
  • Gesichtsscan zum Entsperren des Smartphones
  • Wie lange ein Video angesehen wird
  • Tippgeschwindigkeit
  • Herzfrequenz von der Fitnessuhr
  • Scrollgeschwindigkeit im Feed
  • Uhrzeit des Aufladens
  • Anzahl der Ausrufezeichen in Nachrichten
  • Gesuchte Songtexte
Schließe mit der Erklärung, dass es nicht immer leicht ist, zu erkennen, ob Daten bewusst gegeben oder nur abgeleitet werden. Ein richtig oder falsch gibt es nicht immer, aber die Jugendlichen haben gelernt: Jede Aktion auf dem Handy kann im Notizbuch landen und ein ziemlich genaues Bild von ihnen ergeben. 

Abschluss (10 Minuten)

Zum Abschluss halten die Schüler*innen eine persönliche Maßnahme fest, um künftig bewusster mit ihren Daten umzugehen (z.B. Standortfreigabe abschalten oder Privatsphäre-Einstellungen ändern). Die Notizen werden im Klassenraum oder digital gesammelt und 2-3 Schüler*innen können ihre Maßnahme vorstellen. 

Gib den Jugendlichen mit auf den Weg, dass sie nach der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), die in der gesamten EU gilt, klare Rechte im Umgang mit ihren Daten haben. 

Sie haben das Recht … 

  • Ihre Daten einzusehen → sie können nachfragen, welche Daten über sie gesammelt wurden. 
  • Seiten zu löschen → sie können verlangen, dass bestimmte Daten oder Inhalte entfernt werden. 
  • Daten zu transferieren → sie können ihre Daten zu einer anderen App oder einem anderen Anbieter übertragen. 

Erweiterung (15 Minuten)

  • Für Schüler*innen, die mehr Unterstützung brauchen, verwende konkrete Beispiele von App-Berechtigungen und arbeite mit vereinfachter Sprache.
  • Optional kannst du außerdem eine Wand im Klassenraum gestalten mit persönlichen Versprechen und Plakaten zu digitalen Rechten.
Weitere Ressourcen
  • Digital Wellness Lab website which is not-for-profit research center focusing on online wellbeing Zur Quelle
  • UNICEF Artikel: What you need to know about sharenting. Expert tips on protection your child’s privacy in the digital age Zur Quelle
  • Crocco, M. S., Segall, A., Halvorsen, A. L., Stamm, A., & Jacobsen, R. (2020). “It’s not like they’re selling your data to dangerous people”: Internet privacy, teens, and (non-) controversial public issues. The Journal of Social Studies Research, 44(1), 21-33. 
  • Feng, Y. & Xie, W. (2014). Teens’ concern for privacy when using social networking sites: An analysis of socialization agents and relationships with privacy-protecting behaviors. Computers in Human Behavior, 33, 153-162. 
  • Pew Research Centre: teen social media survey findings Zur Quelle
Viel Spaß beim Ausprobieren

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