Save the Children Konzept

Wer ist wer beim Cybermobbing? I

Die Schüler*innen teilen anonym ihre Sicht auf Cybermobbing in ihrem Umfeld und analysieren fiktive Fallbeispiele. So lernen sie, die unterschiedlichen Rollen der Beteiligten zu erkennen und wirksame Handlungsstrategien für solche Konflikte zu diskutieren.

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

Wer ist wer beim Cybermobbing? I Titelbild
So geht's

 Wer ist wer beim Cybermobbing? I

Wichtige Informationen vorab

Cybermobbing sollte nicht nur als individueller Angriff, sondern als sozialer Prozess verstanden werden, der durch Gruppendynamiken verstärkt wird. Konflikte eskalieren häufig, weil private Situationen durch digitale Medien schnell öffentlich gemacht werden. 

Dabei spielen nicht nur die mobbende und die betroffene Person eine Rolle. Auch scheinbar harmlose Handlungen wie Likes, das Weiterleiten von Nachrichten oder Schweigen können Cybermobbing verstärken. Schüler*innen sollen lernen, ihre eigene Verantwortung zu erkennen und aktiv gegen Cybermobbing einzutreten. 

Der Schlüssel zur Verbesserung der Situation liegt darin, impulsive Reaktionen durch strategische Handlungsweisen zu ersetzen: Beweise zu sichern, Unterstützung durch Erwachsene zu suchen und zur Lösung des Konflikts beizutragen. So kann ein respektvolles und sicheres digitales Miteinander gefördert werden. 

Achte in dieser Stunde darauf: 

  • Schüler*innen sollten keine Klarnamen oder persönliche Accounts nennen. 
  • Wenn Schüler*innen sich unwohl fühlen, kannst du ein persönliches Gespräch oder eine Pause anbieten. 

Einführung (20 Minuten)

  1. Beginne die Stunde, indem du das Thema Cybermobbing einführst und deutlich machst, dass es nicht nur um die betroffenen Personen geht, sondern um die gesamte Dynamik und wie viele Menschen in unterschiedlichen Rollen daran beteiligt sein können.
  2. Lege zunächst ein paar Klassenregeln fest, damit die Schüler*innen sich während der Stunde respektvoll untereinander austauschen. Die Regeln sollten für den Verlauf der Stunde sichtbar am Whiteboard oder der Tafel aushängen. Regeln können z.B. sein:
    • Niemand wird ausgelacht oder bloßgestellt.
    • Persönliche Erfahrungen müssen nicht geteilt werden.
    • Wir sprechen respektvoll und hören einander zu.
    • Wir nennen keine realen Namen oder konkreten Personen.
  3. Erkläre anschließend, dass die Klasse zunächst an einer anonymen Umfrage teilnimmt. Ziel ist es, ein gemeinsames Bild davon zu bekommen, wie Cybermobbing wahrgenommen wird und welche Erfahrungen oder Einschätzungen vorhanden sind. Betone, dass es dabei kein „Richtig“ oder „Falsch“ gibt und ehrliche Antworten erwünscht sind.
  4. Starte die vorbereitete Umfrage und lasse die Schüler*innen die Fragen einzeln beantworten. Achte darauf, dass alle Zugang haben (z. B. über einen QR-Code oder Link). Plane ausreichend Zeit ein, sodass die Antworten ohne Zeitdruck erfolgen können.
  5. Gehe anschließend die Ergebnisse Schritt für Schritt mit der Klasse durch. Nutze die Ergebnisse, um zentrale Fragen zu stellen:
    • Was fällt euch an den Antworten auf?
    • Gibt es Überraschungen?
    • Wo sind sich viele einig, wo gehen die Meinungen auseinander?
  6. Im Anschluss an die Auswertung der Umfrage erläuterst du die zentralen Konzepte, die sich aus der Diskussion ergeben haben, genauer:
    • Cybermobbing ist keine einzelne Nachricht, sondern ein sozialer Prozess, an dem viele Akteure beteiligt sind.
    • Die Rollen im Cybermobbing-Ökosystem sind vielfältig: Betroffene Person, Verstärker, stiller Zeuge, Verteidiger, Herausforderer und Vertrauensperson (Erwachsener).
    • Es gibt Mechanismen, durch die sich der Zuschauerkreis bei Cybermobbing erweitert (Screenshots, soziale Netzwerke, Gruppen usw.).
Hintergrundinformationen für Lehrkräfte

Dynamik des Cybermobbings 

Cybermobbing wird oft fälschlicherweise als einzelne verletzende Nachricht oder Veröffentlichung verstanden. Tatsächlich handelt es sich meist um einen sozialen Prozess, der durch die Reaktionen oder das Schweigen anderer Personen verstärkt wird. Ein verletzender Kommentar kann von einer einzelnen Person ausgehen, doch Likes, das Teilen oder Weiterleiten von Inhalten sowie das Nichteingreifen anderer können die Schädigung erheblich vergrößern. 

Deshalb wird Cybermobbing nicht nur von der verursachenden und der betroffenen Person beeinflusst. Viele Menschen im digitalen Umfeld können dazu beitragen, dass sich die Situation verschärft oder gestoppt wird.

Die verschiedenen Rollen 

Die wichtigsten Rollen bei Cybermobbing sind: 

  • Betroffene Person (Target): Wird online verletzt, ausgegrenzt, gedemütigt oder unter Druck gesetzt. 
  • Verstärkende Person (Amplifier): Verbreitet oder unterstützt die Inhalte durch Likes, Teilen, Weiterleiten oder Kommentare. 
  • Stille Zeug*innen (Silent Witness): Beobachten das Geschehen, greifen jedoch nicht ein. 
  • Unterstützende Person (Defender): Hilft der betroffenen Person, meldet Vorfälle oder sucht Unterstützung. 
  • Eingreifende Person (Challenger): Stellt sich gegen das schädigende Verhalten und macht deutlich, dass es nicht akzeptabel ist. 
  • Vertrauenswürdige erwachsene Person (Adult): Unterstützt, schützt und hilft bei der Bewältigung der Situation. 

 

Es ist wichtig, den Schüler*innen zu vermitteln, dass es beim Cybermobbing entscheidend ist, wie sich das Publikum vergrößern kann und aufzuzeigen, warum selbst passive oder scheinbar unbedeutende Handlungen zu Schaden führen können. 

Analyse von Cybermobbing-Fällen (20 Minuten)

  1. Im nächsten Schritt analysieren die Schüler*innen nun Cyberbullying Beispiele. Teile die Klasse dafür in Kleingruppen von 3-4 Personen ein. Jede Gruppe erhält ein Arbeitsblatt mit einem Fallbeispiel (eines von zwei möglichen Szenarien), die Rollenkarten aus dem Downloadmaterial sowie die benötigten Arbeitsmaterialien.
  2. Lasse die Schüler*innen die Rollenkarten ausschneiden.
  3. Erkläre den Gruppen dann ihre Aufgabe:
    • Die Fallbeschreibung und die Rollenkarten werden sorgfältig gelesen.
    • Danach ordnen sie die beteiligten Personen den jeweiligen Rollen zu und notieren die Namen auf den Karten
  4. Beobachte und begleite den Arbeitsprozess, unterstütze bei Bedarf und korrigiere die Schüler*innen gegebenenfalls.
  5. Nach Abschluss der Gruppenarbeit besprecht ihr gemeinsam, wie die einzelnen Rollen dazu beitragen können, Cybermobbing zu verhindern, zu beenden oder die Situation für die Betroffenen zu verbessern.
Hinweise zur Übung

Jede der an einem Cybermobbing-Vorfall beteiligten Rollen kann dazu beitragen, die Situation zu verbessern – sei es durch Maßnahmen zur Schadensprävention, durch direkte Unterstützung der betroffenen Person oder indem verhindert wird, dass sich der Schaden weiter ausbreitet. 

Wie können die beteiligten Personen positiv wirken? 

  • Betroffene Person: Beweise sichern, blockieren und Hilfe suchen, anstatt zurückzuschlagen. Zur Vorbeugung sollten Privatsphäre-Einstellungen genutzt und keine sensiblen Inhalte geteilt werden. 
  • Verstärkende Person: Die Verbreitung stoppen – geteilte Inhalte löschen und jede öffentliche Unterstützung des Angriffs zurückziehen. Vor jeder Interaktion sollte überlegt werden, ob dadurch jemand verletzt oder bloßgestellt wird. 
  • Stille Zeug*innen: Vorfälle melden und der betroffenen Person Unterstützung anbieten, z.B. eine private Nachricht schicken.  
  • Unterstützende Person: Bei der Sicherung von Beweisen helfen, zuhören und emotional unterstützen, ohne den Konflikt weiter anzuheizen. Ein positives Miteinander in Gruppen kann Cybermobbing vorbeugen. 
  • Eingreifende Person: Deutlich machen, dass verletzendes Verhalten nicht akzeptabel ist, und sich schon früh für einen respektvollen Umgang in Gruppen einsetzen. 
  • Vertrauenswürdige erwachsene Person: Ruhig reagieren, zuhören und Unterstützung anbieten. Eine vertrauensvolle Beziehung erleichtert es Kindern und Jugendlichen, sich Hilfe zu holen. 
  1. Abschließend zur Übung notieren die Schüler*innen im unteren Teil jeder Rollenkarte, was die jeweilige Person in dem analysierten Fall besser hätte machen können.

Abschluss (5 Minuten)

  1. Zur Reflexion werden beide Fälle im Plenum vorgestellt (damit alle Schüler*innen mit beiden Fällen vertraut sind). Anschließend werden Freiwillige gebeten, einige der Rollenkarten vorzustellen, die für sie besonders relevant erscheinen.

Erweiterung (15 Minuten)

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht oder die Schüler*innen schneller als erwartet vorankommen, können folgende Erweiterungen durchgeführt werden: 

  • Die Zeit für die Diskussion zu den einzelnen Fragen der Umfrage kann verlängert werden. 
  • Die Schüler*innen können im Internet nach realen Cybermobbing-Fällen und deren Folgen suchen und die darin vorkommenden Rollen analysieren. 

Weniger Zeit?

Wenn weniger Zeit zur Verfügung steht, können folgende Anpassungen vorgenommen werden: 

  • Die Diskussion nach den einzelnen Fragen der Umfrage kann verkürzt werden. 
  • Pro Gruppe kann nur ein Arbeitsblatt mit den Fallbeispielen ausgeteilt werden. Alle Gruppen erhalten denselben Fall, wodurch die gemeinsame Auswertung vereinfacht wird. 
Viel Spaß beim Ausprobieren

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