Save the Children Konzept
Die Schüler*innen setzen sich mit den Merkmalen schädlicher Online-Communities auseinander. Sie lernen, typische Manipulationsstrategien zu erkennen, Warnsignale richtig einzuordnen und Unterstützungsmöglichkeiten für Betroffene kennen.
OER Lizenz: CC BY SA Save the Children
Übersetzung durch tech & teach
Diese Unterrichtseinheit sensibilisiert Schüler*innen für die Strategien, mit denen schädliche Online-Communities junge Menschen ansprechen und an sich binden. Sie lernen, Warnsignale frühzeitig zu erkennen und zu verstehen, welche Rolle Freund*innen, Familien, Lehrkräfte sowie Plattformen beim Schutz Betroffener spielen.
Die Schüler*innen lernen
Digitale Kompetenzen
Kommunikation und Kollaboration
Sicherheit
Weitere Kompetenzen
Hardware:
Weitere Materialien:
Vorbereitung:
Vorbereitung
Was ist das Com-Netzwerk?
Beim Com-Netzwerk handelt es sich nicht um eine einzelne Organisation, sondern um lose miteinander verbundene Online-Gruppen. Dort vernetzen sich vor allem junge Menschen, die extreme Gewalt verherrlichen und Straftaten gegenseitig dokumentieren und verbreiten.
Polizei Sachsen: Mehr lesen
Schädliche Com-Netzwerke sprechen junge Menschen häufig gezielt über emotionale Bedürfnisse an. Sie vermitteln Zugehörigkeit, Verständnis oder Anerkennung und nutzen dabei Gefühle wie Einsamkeit, Unsicherheit oder den Wunsch nach sozialer Akzeptanz aus.
Für die Schüler*innen ist wichtig, zu verstehen, dass nicht jede Online-Community problematisch ist. Viele digitale Gemeinschaften bieten Unterstützung, Austausch und ein positives Miteinander. Problematisch wird es jedoch, wenn Gruppen gezielt manipulieren, Druck ausüben oder Mitglieder von ihrem sozialen Umfeld isolieren.
In dieser Unterrichtseinheit geht es deshalb nicht darum, einzelne Plattformen oder Online-Gruppen zu bewerten. Im Fokus stehen vielmehr typische Warnsignale und Manipulationsstrategien, die in unterschiedlichen digitalen Räumen auftreten können.
Die Jugendlichen sind dazu aufgefordert, Aussagen und Verhaltensweisen kritisch zu hinterfragen. Vermittle ihnen, dass sie sich bei Unsicherheiten oder belastenden Erfahrungen jederzeit an eine Vertrauensperson wenden können.
Bevor ihr beginnt, erinnere die Klasse daran
Das Hauptmerkmal dieser Netzwerke besteht darin, dass ihre Aktivitäten auf Gruppendynamiken ausgerichtet sind, die letztlich ihren Mitgliedern oder Dritten Schaden und Leid zufügen.
Ihre interne Struktur basiert auf dem Versprechen, jungen Menschen Akzeptanz und eine Gruppenidentität zu bieten – jedoch unter Bedingungen, die das Ausführen schädlicher Handlungen verlangen und gezielt bestimmte emotionale Bedürfnisse ausnutzen. Wenn ein junger Mensch Einsamkeit, Unsicherheit oder einen Mangel an Unterstützung in seinem Alltag erlebt, reagieren diese Gruppen darauf, indem sie sofortige Aufmerksamkeit und digitale Anerkennung durch positive Kommentare oder Reaktionen anbieten. Auf diese Weise nutzen sie auch das Streben nach sozialer Anerkennung aus, indem sie höhere Ränge, Moderatorenrollen oder eine größere Bedeutung innerhalb des Netzwerks anbieten – im Austausch dafür, dass bestimmte Forderungen der Gruppe erfüllt werden.
Um ihre Kontrolle über die Mitglieder zu behalten, setzen diese Communities stark auf Geheimhaltung und die Angst vor Ausgrenzung. Den Jugendlichen wird vermittelt, dass sie alles verlieren könnten, was ihnen die Gruppe gibt – Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zugehörigkeit –, wenn sie sich abwenden. Gleichzeitig entsteht das Gefühl, dass nur die Online-Gemeinschaft sie wirklich versteht, während Erwachsene oder Menschen aus ihrem Umfeld ihre Identität nicht nachvollziehen können. Dadurch ziehen sich Betroffene zunehmend von ihrem sozialen Umfeld zurück, verheimlichen ihre Online-Aktivitäten und werden immer stärker von den Entscheidungen und Erwartungen der virtuellen Gruppe abhängig.
Das größte Risiko beim Verbleib in diesen Netzwerken besteht darin, dass der Einstieg über einen kontinuierlichen und schrittweisen Prozess erfolgt, bei dem die Anforderungen nach und nach gesteigert werden. In den Anfangsphasen erhält der Nutzer positive Rückmeldungen für seine Beiträge. Mit der Zeit entwickelt sich die Gruppendynamik jedoch weiter, indem zunehmend schädliche Verhaltensweisen verlangt werden – beispielsweise das Ignorieren von Mitgliedern, die als Verräter angesehen werden, oder das Verbreiten gewalttätiger Inhalte, die viral gehen sollen.
Die entscheidende Gefahr besteht darin, dass ein junger Mensch, der ursprünglich auf der Suche nach Verbindung oder Anerkennung in eine solche Gruppe eintritt, später unter Druck gesetzt oder gezwungen werden kann, anderen Menschen zu schaden, um seine Zugehörigkeit und seinen Status aufrechtzuerhalten.
Aus Angst vor ähnlichen Vergeltungsmaßnahmen bleibt der junge Mensch innerhalb des Systems und beginnt schließlich, dieselben Methoden anzuwenden, um neue Profile für die Gruppe zu gewinnen.
Wie weitreichend Folgen sein können, wird am Fall „White Tiger“ deutlich. Mehr dazu findest du hier https://www.youtube.com/watch?v=79j_7M2kpzY
Wie nutzen schädliche Com-Netzwerke Einsamkeit, Ausgrenzung, Geheimhaltung und den Wunsch nach Anerkennung aus?
Aufgabe: Manipulative Nachrichten
Auf dem Bildschirm ist eine Computeroberfläche mit verschiedenen Symbolen und Fenstern zu sehen. Beim Anklicken erscheinen unterschiedliche Nachrichten einer manipulativen Person, die neue Mitglieder rekrutieren will. Diese Nachrichten können per Drag-and-Drop verschoben werden.
Außerdem sind drei Bereiche zu sehen:
In einer Ecke befindet sich der Hinweis, dass die Ziffer für das Zahlenschloss E × S lautet.
Die Schüler*innen ordnen die Nachrichten dem jeweiligen Gefühl zu, das der Rekrutierer gezielt ausnutzt.
Die Ziffer für das Zahlenschloss ergibt sich aus der Multiplikation der Anzahl der Nachrichten, die Einsamkeit (E) ausnutzen, mit der Anzahl der Nachrichten, die das Streben nach sozialem Status (S) ausnutzen. Der Hinweis ergibt sich aus den fett hervorgehobenen Anfangsbuchstaben.
Lösung: 6
Was kann Menschen anfälliger für ein schädliches Com-Netzwerk machen, und warum wirken solche Gruppen zunächst attraktiv?
Aufgabe: Labyrinth der Gefühle
Die Schüler*innen sehen ein Labyrinth, in dem verschiedene Aussagen stehen. Einige beziehen sich auf Gefühle oder Situationen, die den Einstieg in ein Com-Netzwerk begünstigen können, andere stehen in keinem Zusammenhang. Es gibt mehrere mögliche Wege vom Start bis zum Ziel. Außerdem sind im Labyrinth verschiedene Zahlen verteilt.
Die Aufgabe besteht darin, den richtigen Weg durch das Labyrinth zu finden: Dabei sollen Wege mit Warnsignalen für Verletzlichkeit, Manipulation oder schädlichen Gruppendruck vermieden und stattdessen Routen gewählt werden, die für Schutz, Unterstützung oder neutrale Erfahrungen stehen.
Die Ziffer für das Zahlenschloss ist die Zahl, die auf dem richtigen Weg am häufigsten vorkommt.
Lösung: 2
Wie können junge Menschen Schritt für Schritt manipuliert werden, anderen zu schaden, obwohl sie selbst unter Druck, Kontrolle oder Angst stehen?
Aufgabe: Die Abwärtsspirale
Die Schüler*innen erhalten 6 verschiebbare Karten, die verschiedene Stationen einer fiktiven Person auf dem Weg in ein schädliches Com-Netzwerk darstellen. Jede Karte trägt außerdem eine Zahl in der rechten unteren Ecke.
Die Aufgabe besteht darin, die Karten in die richtige zeitliche Reihenfolge zu bringen – vom ersten Ereignis links bis zum letzten rechts.
Nachdem die Karten korrekt angeordnet wurden, erscheint ein Hinweis: Für die Ziffer des Zahlenschlosses sollen die Zahlen auf den Karten addiert werden, bei denen die Person aufgrund von Gruppendruck anderen Menschen Schaden zufügt.
Dies trifft auf die dritte, vierte und sechste Karte zu.
Lösung: 9
Welche Personen und Anlaufpunkte können dabei helfen, den Einstieg in ein Com-Netzwerk zu erkennen (Freunde, Lehrkräfte, Familien und Plattformen) und welche Möglichkeiten haben sie, zu handeln?
Aufgabe: Der Kreis der Unterstützung
In der Präsentation werden verschiedene Anzeichen oder Beobachtungen gezeigt, die darauf hindeuten können, dass jemand in ein schädliches Com-Netzwerk gerät.
Zusätzlich befinden sich in den Ecken vier verschiebbare Kreise in unterschiedlichen Farben. Eine Legende zeigt, welche Farbe welchem Unterstützungsnetzwerk zugeordnet ist:
Die Aufgabe der Schüler*innen besteht darin, jeden Kreis so zu verschieben, dass er alle Anzeichen umfasst, die von der jeweiligen Unterstützungsgruppe erkannt werden können. Einige Anzeichen können gleichzeitig von mehreren Personen oder Stellen wahrgenommen werden.
Beispiel: Einsamkeit auf dem Schulhof kann sowohl von Freunden als auch von Lehrkräften bemerkt werden. Daher müssen beide Kreise (grün und gelb) dieses Anzeichen einschließen.
Die Ziffer für das Zahlenschloss entspricht der Gesamtzahl der Überschneidungen aller Kreise.
Lösung: 8
Wenn jemand erkennt, dass er selbst oder eine Person aus seinem Umfeld von solchen Manipulationsmechanismen betroffen ist, sollte Unterstützung aus dem persönlichen Umfeld einbezogen werden. Freunde können Veränderungen und Druck in privaten Chats wahrnehmen und diese an eine Vertrauensperson weitergeben. Auch Lehrkräfte und Familien können eingreifen und Unterstützung anbieten.
Zusätzlich sollten die Meldefunktionen der Online-Plattformen genutzt werden. Bei schädlichen Inhalten, Belästigung oder digitalem Druck sollten betroffene Accounts blockiert und gemeldet werden, damit die Plattformen entsprechende Maßnahmen ergreifen können.
Falls noch Zeit zur Verfügung steht, könnt ihr die einzelnen Challenges ausführlicher besprechen und zu jeder Challenge Merksätze notieren.
Wenn weniger Zeit zur Verfügung steht, kannst du das Ziel der jeweiligen Challenge direkt erläutern, anstatt darauf zu warten, dass die Gruppen es aus den darin enthaltenen Hinweisen selbst erschließen.