OER Lizenz: CC BY SA Save the Children
Übersetzung durch tech & teach

Diese Unterrichtseinheit soll Schüler*innen dabei helfen, die Kontrolle über ihren digitalen Medienkonsum zurückzugewinnen und kritisches Denken in einer Welt voller Reize zu entwickeln. Ziel ist es, sie dafür zu sensibilisieren, wie schnelllebige Inhalte und emotionale Auslöser ihre Entscheidungsfähigkeit beeinflussen, und ihren kritischen Blick zu schärfen.
Durch die Analyse fiktiver Influencer-Posts und das Erstellen eigener Inhalte lernen die Schüler*innen, impulsive Reaktionen zu hinterfragen und stattdessen analytischer vorzugehen. Dabei steht im Mittelpunkt, Informationen anhand von Belegen und Quellen zu bewerten und nicht nach Likes oder Beliebtheit.
Die Schüler*innen lernen
Digitale Kompetenzen
Informations- und Datenkompetenz
Kommunikation und Kollaboration
Sicherheit
Weitere Kompetenzen
Hardware:
Software:
Folgende Methoden werden in dieser Unterrichtsstunde angewendet:
In der Altersgruppe 9-12 Jahre ist der präfrontale Kortex (zuständig für Entscheidungen) noch in Entwicklung. Daraus entsteht das Vertrauens‑Genauigkeits‑Paradox: Kinder glauben Botschaften eher, wenn sie selbstbewusst von vertrauten Personen (z. B. Influencer*innen) vorgetragen werden – unabhängig von ihrer Richtigkeit.
Ziel ist es nicht, die Schüler*innen misstrauisch gegenüber allem zu machen, sondern eine Sicherheitsroutine zu entwickeln, die ihnen hilft, in einer digitalen Umgebung bewusst zu entschleunigen, die eigentlich darauf ausgelegt ist, sie zu beschleunigen.
Fehlinformation (Misinformation) entsteht, wenn falsche oder irreführende Inhalte versehentlich geteilt werden, ohne die Absicht zu schaden. Ein Influencer kann dabei in diese Falle geraten, z.B. aus Unachtsamkeit oder dem Druck, als Erste*r, über spannende Nachrichten zu berichten, oder weil ein Gerücht nicht überprüft wurde. In solchen Fällen glaubt die Person selbst, dass die Information stimmt, verbreitet aber trotzdem eine falsche Nachricht, weil sie nicht sorgfältig geprüft wurde.
Im Gegensatz dazu ist Desinformation die bewusste Verbreitung falscher Inhalte mit dem Ziel, zu täuschen oder zu manipulieren. Die Motive von Influencer*innen können dabei finanzieller Gewinn sein (z. B. die Werbung für ein „Wunderprodukt“, von dem sie wissen, dass es nicht wirkt), das Streben nach Klicks oder auch ideologische Interessen. Hier besteht eine klare Absicht, die Wahrheit zu verschleiern, um sich selbst oder einer bestimmten Gruppe Vorteile auf Kosten des Vertrauens der Zuschauerinnen zu verschaffen.
Der grundlegende Unterschied liegt also in der Absicht: Bei einer Fehlinformation handelt es sich um einen menschlichen Fehler im schnelllebigen digitalen Umfeld, bei Desinformation dagegen um gezielte Täuschung. Für Schüler*innen ist es wichtig zu verstehen, dass das Ergebnis unabhängig von der Absicht gleich problematisch sein kann: ein verzerrtes Bild der Realität, das zu falschen Entscheidungen führt.
Der Schritt „Innehalten“ zielt darauf ab, die automatische Reaktion des limbischen Systems zu unterbrechen, das für Emotionen und Überraschung zuständig ist. Wenn Schüler*innen lernen innezuhalten, bekommt der präfrontale Kortex Zeit, „anzuschalten“ und die Kontrolle zu übernehmen. So können sie die emotionale Wirkung eines Beitrags (was ich fühle) von seinem tatsächlichen Inhalt (was gezeigt wird) trennen und impulsives Liken oder Teilen reduzieren.
Im Schritt „Fragen“ trainieren die Schüler*innen ihre Analysefähigkeit, indem sie Quelle und Absicht hinterfragen. Es geht nicht nur darum zu wissen, wer der Influencer ist, sondern auch zu erkennen, ob Interessenkonflikte bestehen oder ob gezielt „Reize“ (z. B. Dringlichkeit oder Angst) eingesetzt werden, um zu beeinflussen. Dieser Schritt hilft dabei, Popularität nicht mehr als Beweis für Wahrheit zu sehen, sondern die Absicht hinter einer Botschaft zu bewerten.
Der Schritt „Belegen“ führt das Prinzip des Quellenvergleichs ein. Die Schüler*innen lernen, die „geschlossene Welt“ sozialer Netzwerke zu verlassen und Informationen mit externen oder offiziellen Quellen zu überprüfen. Der pädagogische Nutzen ist groß: Wahrheit hängt nicht davon ab, ob man einer Person vertraut oder sie mag, sondern davon, ob sich Aussagen durch Fakten und übereinstimmende Informationen aus verschiedenen Quellen belegen lassen.
Bei Unsicherheiten oder wenn es um sensible Themen (z. B. Finanzen oder Gesundheit) geht, ist außerdem zu betonen, dass es immer sinnvoll ist, eine vertrauenswürdige erwachsene Person einzubeziehen.

Wichtig für Schüler*innen ist außerdem:
Ständige Konfrontation mit Angst, Druck oder unrealistischen „perfekten Leben“ kann die mentale Gesundheit belasten und Stress auslösen . Wenn Inhalte verunsichern, sollte man sie nicht weiter konsumieren, sondern stoppen, ggf. speichern oder schließen und eine vertrauenswürdige erwachsene Person einbeziehen.
Die Handlungsroutine „Innehalten – Fragen – Belegen“ hilft nicht nur dabei, Wahrheit zu prüfen, sondern auch die eigene digitale Gesundheit zu schützen. Ziel ist es, bewusster zu entscheiden und sich nicht von Likes, sondern von überprüfbaren Informationen leiten zu lassen.
Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, kannst du zwei Gruppen auswählen, die zusätzlich Posts mit Desinformationen erstellen. Der Rest der Klasse muss versuchen, diese zu entlarven und kann dazu z.B. recherchieren.
Steht weniger Zeit zur Verfügung, kann jede Gruppe nur einen der Posts auf der Taskcard analysieren.