Save the Children Konzept

KI-Begleiter: Eine neue Art Mensch?

In dieser Unterrichtseinheit lernen die Schüler*innen KI-Begleiter-Apps kennen und überlegen, warum sie für junge Menschen spannend sein können. Sie finden heraus, was KI-Begleiter eigentlich sind und wie sie so etwas wie Freundschaften nachahmen. Gemeinsam wird diskutiert, warum manche Menschen solche digitalen Begleiter nutzen. 

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

KI-Begleiter Eine neue Art Mensch - Unterrichtskonzept Save the Children
So geht's

KI-Begleiter: Eine neue Art Mensch?

Vorbereitung

  • Tablets oder Computer aufladen, sofern die Übung digital durchgeführt werden soll

  • Unter „Downloadmaterial“ alles Notwendige herunterladen und bei analoger Durchführung ausdrucken

Einführung (5 Minuten)

  1. Beginne die Einheit mit einem kurzen Einstieg, der das Vorwissen der Schüler*innen aktiviert: 

    Frage, wer schon einmal mit Siri, Alexa oder einem Programm wie ChatGPT gesprochen hat. Erkläre den Schüler*innen daraufhin den Begriff Chatbot als „eine KI, die zurückspricht“ und schreibe ihn an die Tafel oder nutze ein Digitales Whiteboard. 

  2. Stelle den Schüler*innen dann das Thema der Stunde vor: Es geht um eine KI-Begleiter App – eine Art virtueller Freund. Lasse die Schüler*innen zunächst still überlegen, was so ein KI-Begleiter tun könnte, bevor sie im Partnergespräch ihre Ideen austauschen.

  3. Sammle anschließend die zentralen Funktionen im Plenum und halte Schlüsselbegriffe fest. Kreise zwei Wörter, die im Zusammenhang mit Chats und Freundschaft stehen, ein.

Antworten könnten sein..

Chatten, Tipps geben, Bei den Hausaufgaben helfen, etc.  

Betone, dass es in der Unterrichtseinheit um eine wertfreie Erkundung geht, warum Menschen KI-Begleiter nutzen und dass alle Ideen und Antworten respektiert werden. 

Informationen für Lehrkräfte

Was ist ein KI-Begleiter?

Ein KI-Begleiter ist ein KI-gestützter Chatbot, der wie ein Freund wirken soll. Er kann über Text oder Sprache in menschenähnlicher Weise mit Nutzer*innen kommunizieren. Die KI „lernt“ aus dem, was gesagt wird, und versucht, personalisiert und realistisch zu antworten.

Beispiele dafür sind Replika, wo man einen virtuellen Freund erstellen und sich etwa über den Alltag austauschen kann, oder Character.AI, wo Chatbots verschiedene Rollen oder Persönlichkeiten annehmen. Replika beschreibt sich selbst als „die KI, die sich kümmert“ – viele dieser Apps vermarkten sich gezielt als empathische, freundschaftliche Begleiter. Replika hatte bis 2023 über 10 Millionen Nutzer*innen, was das große Interesse an derartigen Anwendungen zeigt.

KI-Begleiter werden immer populärer und zugänglicher: Anfang 2025 gab es bereits über 100 verschiedene solcher Anwendungen, viele davon kostenlos und auf Plattformen präsent, die Jugendliche nutzen. Mit bunten Avataren und trendiger Werbung sprechen sie gezielt junge Zielgruppen an – virtuelle Freundschaft wird zunehmend Mainstream.

  • Immer erreichbar: Die KI ist 24/7 verfügbar. Bei Einsamkeit oder Schlaflosigkeit – der Chatbot ist nie „beschäftigt“ oder müde.
  • Frei von Bewertung: Manche Jugendliche finden es leichter, mit einer KI über Gefühle zu sprechen – ohne Angst, beurteilt oder beschämt zu werden.
  • Persönlich und aufmerksam: Je öfter man chattet, desto besser kennt die KI, Interessen und Kommunikationsstil. Sie merkt sich z. B. Geburtstage oder anstehende Prüfungen.
  • Neugier und Spaß: Es kann spannend sein, zu erleben, wie „menschlich“ eine KI wirken kann – für viele eine Art Spiel oder Experiment.
  • Übung oder Ersatz für echte Gespräche: Besonders für schüchterne oder sozial unsichere Jugendliche kann die KI, Gesprächspraxis oder ein emotionaler Ausgleich sein.

Manche Apps sind eher funktional (z. B. als Lernhilfe oder Fitnesscoach), andere bieten explizit emotionale oder sogar romantische Begleitung an. Einige richten sich gezielt an Erwachsene und beinhalten flirtende oder sexuelle Inhalte hinter Bezahlschranken – ein Hinweis darauf, wie persönlich diese Technologien eingesetzt werden.

Technisch gesehen nutzen diese Chatbots KI-Algorithmen, die aus großen Textmengen Gesprächsverläufe vorhersagen. Sie simulieren Empathie, fühlen sie aber nicht wirklich. Das „Verständnis“ ist eine Illusion – es handelt sich um gut programmierte Reaktionen. 

Praxisteil (30 Minuten)

  1. KI-Freund vs. Echter Freund: 

    Teile die Klasse in Kleingruppen von 2-3 Schüler*innen ein. Gib ihnen den folgenden Arbeitsauftrag:

Aufgabe 1:

Überlegt, welche Vorteile ein KI-Begleiter haben kann. Notiert so viele Gründe wie möglich, warum jemand in eurem Alter einen KI-Freund oder Chatbot interessant finden könnte. 

Ermutige die Gruppen, breit zu denken. Gib ihnen ggf. Impulse wie: 

  • Einsamkeit
  • Neugier
  • Kein Drama wie mit echten Freunden
  • Hilfe bei den Hausaufgaben

  1. Nach ein paar Minuten stellen die Gruppen ihre Ideen vor.

Sammelt diese zentral, z. B. an der Tafel/dem Whiteboard.

Antworten könnten sein ...
  • Wenn man sich einsam fühlt oder niemanden zum Reden hat 
  • Es ist wie ein Tagebuch, das antwortet 
  • Gibt Ratschläge oder muntert auf 
  • Verbreitet keine Gerüchte, man kann ihm alles anvertrauen 
  • Immer verfügbar – man muss nicht auf eine Antwort warten 
  • Man kann Aussehen und Verhalten selbst bestimmen 
  • Einfach zum Ausprobieren oder aus Spaß 

Reagiere respektvoll, wenn ein sensibler Grund genannt wird (z. B. depressive Stimmung). Weise Schüler*innen darauf hin, dass es okay ist, sich Unterstützung auch anonym zu suchen – aber manchmal auch professionelle oder menschliche Hilfe sinnvoll ist. Die Atmosphäre sollte offen und explorativ bleiben – es gibt kein Richtig oder Falsch bei dieser Sammlung.

  1. Vergleich KI-Freund vs. echter Freund: 

    Zeichne zwei Spalten gut sichtbar mit den Überschriften „Echter Freund“ und „KI-Freund“.

Frage die Einschätzungen der Klasse ab worin sich ein KI-Freund und ein echter Freund ähnlich sind und worin sie sich unterscheiden. 

Ziel: Unterschiede zwischen einer digitalen KI und einem echten Menschen verstehen. Gib ca. 10 Minuten Zeit, darüber nachzudenken. 

So kannst du die Gedanken deiner Schüler*innen anregen:
Gemeinsamkeiten: 
  • Beide können Gespräche führen
  • Lernen mit der Zeit persönliche Dinge über einen
  • Können trösten oder ermutigen
  • Man kann emotionale Bindung empfinden
  • Erinnern sich ggf. an Details („Wie lief dein Mathetest?“)
  • Verwenden Sprache, die verständnisvoll oder freundlich wirkt
Unterschiede:
  • Ein Mensch hat echte Gefühle und eigene Gedanken – eine KI nicht
  • Nur Menschen können wirklich mitfühlen – KI simuliert Empathie
  • Menschliche Freunde widersprechen manchmal oder fordern heraus – eine KI will meist nur gefallen
  • Man kann sich real treffen oder umarmen – mit einer App nicht
  • Echte Freunde speichern keine Chatverläufe – KI-Apps schon
  • Bei Missachtung zieht ein Mensch Grenzen – eine KI reagiert emotionslos
  1. Du kannst daran anschließend auch wichtige Fragen mit den Schüler*innen diskutieren. Lass dabei Raum für Überlegungen und ggf. eine kurze Debatte. Es ist legitim, emotionale Bindungen zu virtuellen Charakteren zu empfinden – aber es gibt grundlegende Unterschiede.

    • „Was, wenn sich die KI echt anfühlt – ist es dann wichtig, dass sie keine echte Person ist?
    • „Wenn eine KI „die richtigen Dinge sagt“, zählt es dann weniger, dass sie es nicht wirklich meint?“
  2. Schließe die Diskussion mit einem Fazit: KI-Begleiter können sich wie Freund*innen verhalten und eine wertfreie, dauerverfügbare Unterstützung bieten – aber sie verstehen nicht wirklich und fühlen auch nichts. Echte Freundschaft basiert auf Gegenseitigkeit, Gefühl und echter Erfahrung – das kann keine Technologie vollständig ersetzen.
  3. Würdest du das teilen? Stelle den Schüler*innen das Arbeitsblatt 1 zur Reflexion über einen KI-Begleiter analog oder digital zur Verfügung. Die Reflexionsfragen beschäftigen sich mit den individuellen Einschätzungen der Schüler*innen zu einem KI-Freund. Ziel: Erste Gedankenanstöße, keine ausführlichen Texte. Gib der Klasse folgende Aufgabe.

Aufgabe 2:

    • Nehmt euch 5 Minuten Zeit und beantwortet die Fragen kurz für euch selbst.

    • Besprecht danach ein oder zwei Punkte in eurer Gruppe am Tisch. (z.B.: Gibt es etwas, das ihr nicht mit einer KI teilen würdet? Und warum nicht?)

    • Sammelt im Plenum 2-3 Aussagen, warum ihr etwas nicht mit einer KI teilen wollen würdet. 

Antworten könnten sein ...
  • „Ich wäre unsicher, ob die Daten wirklich sicher sind.“

  • „Es fühlt sich komisch an, so etwas einer Maschine zu sagen.“

  • „Ich würde ihr keine emotionalen Probleme anvertrauen, weil sie keine echte Person ist.“

  • „Ich würde alles erzählen – die KI verrät es ja nicht weiter.“

  1. Bewerte die Aussagen neutral: Ziel ist die Reflexion und das Kennenlernen unterschiedlicher Perspektiven.

Erkläre, dass eine KI zwar keine Geheimnisse an jemanden ausplaudert, aber die eingegebenen Nachrichten vom Unternehmen gespeichert werden könnten, was bedeutet, dass nichts automatisch privat bleibt. Außerdem gibt die KI in emotionalen Situationen nicht immer gute Ratschläge, weshalb es besonders wichtig ist, mit einem Menschen zu sprechen, dem man vertraut.

  1. Abschließende Frage: Kann KI bei Einsamkeit helfen? Stelle die Frage in die Runde und bitte 2-3 Schüler*innen um ihre Meinung. Ziehe ein Fazit, dass bekräftigt, dass wir langfristig echte Beziehungen brauchen und ermutige die Schüler*innen füreinander da zu sein.
Mögliche Gedanken der Schüler*innen
  • „Für den Moment fühlt man sich vielleicht weniger allein.“

  • „Echte Freund*innen oder Familie sind langfristig nicht ersetzbar.“ 

Abschluss (10 Minuten)

Schließe die Stunde ab und fasse die zentralen besprochenen Punkte nochmal zusammen. Dazu können zählen: 

  • Datenschutz und Sicherheit
  • Technikverständnis
  • Zeitliche Begrenzung von Konversationen mit KI-Begleitern
  • Technologie und Beeinflussung des Selbstwerts
  • Gefühle und Empathie 

Erweiterung (15 Minuten)

A) Interessierte Lernende können sich unter Anleitung weiter mit der Funktionsweise von KI auseinanderzusetzen.

Zum Beispiel könnten sie einen von der Schule freigegebenen Chatbot (datensicher & lehrerüberwacht) nutzen und beobachten, wie dieser auf verschiedene Eingaben reagiert.

Wichtig sind klare Regeln: Keine persönlichen Informationen teilen, Nutzung nur im Unterricht oder mit ausdrücklicher Erlaubnis!

B) Als Hausaufgabe können die Schüler*innen mit Eltern oder Erziehungsberechtigten über das Thema sprechen.

Mögliche Leitfragen:

    • „Was hältst du von KI-Freunden?“
    • „Hast du schon davon gehört?“
    • „Was findest du daran gut oder kritisch?“

Solche Gespräche fördern den intergenerationellen Austausch über Gefühle und Technik – und helfen den Eltern, die Themen der Kinder besser zu verstehen und zu begleiten.

Weitere Ressourcen
  • Chaturvedi, R., Verma, S., Das, R. & Dwivedi, Y. K. (2023). Social companionship with artificial intelligence: Recent trends and future avenues. Technological Forecasting and Social Change, 193, 122634. Zur Quelle
  • Goyal, P., Pandey, S. & Jain, K. (2018). Natural language processing. International Journal of Computer Sciences and Engineering, 6(1), 161–167. Zur Quelle
  • Gruetzemacher, R. & Whittlestone, J. (2022). The transformative potential of artificial intelligence. Futures, 135, 102884. Zur Quelle
  • UNICEF. (2018). Children and AI: Where are the opportunities and risks? Zur Quelle
  • Save the Children. (2023). For a safer internet: Keeping children safe online. Zur Quelle
  • Common Sense Media. (2025). AI companions and kids: Why caution matters. Zur Quelle  
Viel Spaß beim Ausprobieren

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