Save the Children Konzept

Den Bildschirm meistern: Meine digitale Zeit steuern I

In dieser Einheit reflektieren die Schüler*innen ihr digitales Wohlbefinden und identifizieren alltägliche digitale Ablenkungen. Sie visualisieren mithilfe eines speziellen Diagramms die Nachteile, die entstehen, wenn sie viel Zeit mit ihren Geräten verbringen, statt sich um wichtige Lebensprioritäten und Bedürfnisse zu kümmern, die ebenfalls wesentlich für ihren Alltag sind.

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

Wichtige Hinweise vorab

Digitales Wohlbefinden bei Kindern und Jugendlichen hängt weniger von der Gesamtbildschirmzeit ab, als davon, wie die Nutzung den Alltag der Kinder aus der Balance bringt. Indem du die Schüler*innen dazu einlädst, ihre eigenen Gewohnheiten zu beobachten, hilfst du ihnen zu erkennen, wann Technologie nicht mehr ein Werkzeug zum Vergnügen ist, sondern wichtige Bedürfnisse wie Ruhe oder Bewegung verdrängt. 

 
Diese Verschiebung passiert, weil viele digitale Oberflächen so gestaltet sind, dass sie ständig ablenken und unsere Aufmerksamkeit einfordern. Wenn die Schüler*innen verstehen, dass ihre Aufmerksamkeit eine wertvolle Ressource ist, können sie die digitalen „Köder“ erkennen, die sie länger am Bildschirm halten, als sie eigentlich möchten. So wird die Nutzung von Geräten zu einer bewussten Entscheidung statt zu einem automatischen Impuls. 
 
Dieses Bewusstsein hilft den Schüler*innen, Zeitmanagement nicht als von Erwachsenen auferlegte Pflicht zu sehen, sondern als Form der Selbstfürsorge. Ziel ist, dass sie die Mechanismen erkennen, die unbewusst ihre Bildschirmzeit verlängern, und so wieder Kontrolle über ihre Aufmerksamkeit und ihre alltäglichen Entscheidungen gewinnen. 
 
Achte in dieser Stunde darauf:
  • Schüler*innen sollten nicht als „süchtig“ bezeichnet werden.
  • Zeichne keine individuellen Nutzungsdaten auf.
  • Wenn ein*e Schüler*in über Belastung, Schlafmangel oder Konflikte durch Geräte berichtet, biete ihnen ein vertrauliches Gespräch an. 

Den Bildschirm meistern: Meine digitale Zeit steuern I

So geht's

Vorbereitung

  • Arbeitsblatt Zeitdiagramm ausdrucken 
  • Arbeitsblatt Formenkarten ausdrucken 
  • Scheren und Kleber bereitlegen 

Einführung (5 Minuten)

  1. Begrüße die Schüler*innen und starte mit einer Impulsfrage: „Hast du schon mal die Erfahrung gemacht, dass die Zeit rasend schnell verflogen ist, während du eine App benutzt oder ein Spiel online gespielt hast?“
  2. Sammle ein paar Antworten der Schüler*innen. Ziel ist es, ein kritisches Bewusstsein dafür zu schaffen, dass viele aus der Gruppe Zeit online verbringen und es eine normale Erfahrung unter Gleichaltrigen ist.
  3. Schließe mit einer zweiten Frage an: „Hast du schon mal bemerkt, dass du dabei mehr Zeit verbracht hast, als du eigentlich geplant hattest und dadurch keine Zeit mehr für andere Dinge war, die dir Spaß machen?“
  4. Die Schüler*innen teilen ihre Eindrücke. Erkläre dann, dass es heute nicht darum geht, sich zwischen digitaler Freizeit und Offline-Zeit zu entscheiden. Stattdessen soll es darum gehen, wie die Schüler*innen ihre Zeit selbst steuern und wie diese Aktivitäten ihre Aufmerksamkeit von anderen wichtigen Dingen ablenken können.

Reflexion: Was lenkt unsere Aufmerksamkeit? (15 Minuten)

  1. Für die erste Übung werden Arbeitsgruppen gebildet. Die Schüler*innen sollen zuerst darüber nachdenken, welche digitalen Aktivitäten sie nutzen – und bei welchen sie oft länger hängen bleiben, als sie eigentlich wollten. Dabei können sie sich untereinander austauschen, jedoch sollte am Ende jede*r eine Liste mit eigenen digitalen Aktivitäten (mind. 2) anfertigen. 
 

Zur Unterstützung kannst du ihnen ein paar typische Beispiele für digitale Ablenkungen geben: 

  • Social Media und Messenger 
  • Kurzvideos (z.B. YouTube Shorts) oder Streaming Plattformen mit automatischer Wiedergabe 
  • (Online-)Videospiele 
  • Spiele und Apps mit Levels, Belohnungen oder täglichen Streaks 
  • Zielloses Surfen im Internet 
  • Inhalte schauen, die automatisch vorgeschlagen werden 
Hinweis zur Übung

Es ist wichtig zu bedenken, dass Kinder in diesem Alter die Zeit, die sie mit bestimmten digitalen Aktivitäten verbringen, oft über- oder unterschätzen. Das liegt daran, dass viele Apps so gestaltet sind, dass der Zeitablauf nicht deutlich spürbar ist, was es den Kindern schwerer macht, ihre Nutzung realistisch einzuschätzen. Die Gruppendiskussion ermöglicht es ihnen, diese Erfahrungen auszutauschen, ihre Wahrnehmungen zu vergleichen und festzustellen, dass es anderen ähnlich geht. Zuhören hilft den Kindern, ihre eigenen Ansichten anzupassen, den Drang zur digitalen Nutzung zu normalisieren und ein kritischeres Bewusstsein für ihr digitales Wohlbefinden und ihren Umgang mit ihrer Zeit zu entwickeln. 

Übung: Zeitdiagramm – Wie viel Zeit verbringen wir am Bildschirm? (15 Minuten)

  1. Als Nächstes benötigen die Schüler*innen Schere und Kleber sowie die Formenkarten. Pro Gruppe reicht eine Vorlage jeder Form aus. Die Karten werden von den Schüler*innen ausgeschnitten, nach Formen sortiert und in der Mitte des Tisches platziert, sodass sie für alle erreichbar sind.

  2. Weise die Gruppen darauf hin, dass die Karten unterschiedlich groß sind und erkläre ihnen die folgende Aufgabe:

    • „Jede digitale Aktivität, die ihr eben notiert habt, schreibt ihr jetzt auf eine Karte, deren Größe proportional zu der Zeit ist, die ihr eurer Meinung nach mit dieser Aktivität verbringt. Die genaue Form der Karte ist dabei nicht wichtig, nur die Größe.“

Spielen sie beispielsweise online ein Videospiel, aber nicht lange, sollten sie eine kleine Karte wählen. Verbringen sie hingegen viel Zeit auf Video-Plattformen wie TikTok, sollten sie eine große Karte wählen. Am Ende sollte jede*r Schüler*in mindestens zwei Formenkarten mit ihren Aktivitäten darauf haben. 
  1. Jetzt bekommt jede*r Schüler*in das Zeitdiagramm als Arbeitsblatt. Erkläre, dass das Diagramm für ihre gesamte Zeit an einem Tag steht – darin gibt es feste Bereiche für alltägliche Bedürfnisse sowie einige freie Felder für Offline-Aktivitäten. Ein paar Beispiele sind schon eingetragen. Die freien Formen sollen die Schüler*innen nun mit ihren eigenen liebsten Aktivitäten ohne Bildschirm füllen, zum Beispiel:

    • eine Sportart, die sie machen
    • etwas, das sie gern mit Freund*innen unternehmen
    • ein Hobby, z.B. lesen oder zeichnen

Auch hier sollte jede*r zwei (oder mehr) Lieblingsaktivitäten ohne digitale Medien in die freien Felder eintragen.
Hinweis zur Übung

Indem die Schüler*innen gezielt ihre digitale Zeit reflektieren, nehmen sie ihr eigenes Nutzungsverhalten bewusster wahr. Im Alltag läuft das eher unterbewusst, da die meisten Apps so gestaltet sind, dass Stunden vergehen, ohne dass wir es merken. Wenn Bildschirmzeit schlicht als Frage des Zeitmanagements gerahmt wird, normalisieren wir diese Erfahrung und vermeiden es, Kinder zu beschämen oder ihnen Schuldgefühle zu vermitteln.

Wenn wir digitale Nutzung als eine Art „Tausch“ betrachten, wird klarer, was dabei auf der Strecke bleibt, also welche anderen, vielleicht wichtigeren Aktivitäten durch Bildschirmzeit ersetzt werden. Diese Abwägungen sichtbar zu machen, hilft dabei zu erkennen, was eigentlich „gute“ oder erfüllende Zeit ist, und unterstützt die Schüler*innen dabei, im Alltag bewusstere Entscheidungen für ein gesundes Gleichgewicht zu treffen.

 
  1. Sag den Schüler*innen, dass sie den „Tausch“ jetzt selbst sichtbar machen sollen, indem sie ihre Formenkarten auf das Diagramm legen. Erinnere sie, dass die Größe der Karten dafür steht, wie viel Zeit sie für die jeweilige Aktivität verwenden.

  2. Wichtige Regeln bei der Übung:

    • Zeig ihnen den Rand des Diagramms und mach deutlich: Das ist die Zeit, die ihnen insgesamt am Tag zur Verfügung steht.
    • Die Karten sollen möglichst nicht über den Rand hinausgehen. Sonst wäre es mehr Zeit, als sie eigentlich haben.
    • Die Karten sollen sich nicht überlappen, denn auch wenn man mehrere Dinge gleichzeitig macht, ist die Aufmerksamkeit begrenzt.

Jetzt legen und kleben sie ihre Karten auf. Dabei wird sichtbar, dass Zeit für manche ursprüngliche Aktivitäten „verschwindet“, weil sie durch digitale Aktivitäten ersetzt wird.

  1. Es kann vorkommen, dass sich manche Offline-Aktivitäten mit digitalen Aktivitäten verbinden lassen (z.B. Online Videospiele spielen und mit Freunden treffen). Diese Beobachtungen kannst du bestätigen und erklären, dass Technologie tatsächlich manchmal ermöglicht, digitale Nutzung mit qualitativ hochwertigen Aktivitäten zu verbinden – vorausgesetzt, man geht bewusst damit um und reflektiert, wie diese Kombination gestaltet wird.

Reflexion (10 Minuten)

  1. Reflektiere mit den Schüler*innen darüber, dass es wichtig ist, seine tägliche Zeit im Blick zu behalten. Ohne bewusste Steuerung lenken digitale Aktivitäten leicht ab und nehmen Zeit für andere wichtige Dinge weg.
  2. Mache dabei deutlich, dass es nicht darum geht, die Nutzung von Technologie zu verteufeln, sondern zu erkennen, dass digitale Aktivitäten häufig einen zeitlichen „Tausch“ mit anderen wertvollen Erfahrungen erfordern. Sammelt kurz im Plenum, welche Funktionen (z.B. in Apps) sie dazu gebracht haben, immer weiterzumachen.
  3. Bitte anschließend aus jeder Gruppe eine*n Schüler*in, die eigenen Entscheidungen in zu erklären und zu begründen, während du von Gruppe zu Gruppe gehst, zuhörst und bei Bedarf unterstützt.
  4. Leite die Diskussion mit folgenden Fragen an:

    • Welche wertebasierten Aktivitäten haben zuerst ihren Platz verloren, weil digitale Aktivitäten sie verdrängt haben?
    • Welche Aktivität würdet ihr in der kommenden Woche am liebsten priorisieren?

Abschluss (10 Minuten)

  1. Zum Abschluss der Unterrichtseinheit reflektiert ihr die erarbeiteten Inhalte der Stunde. Bitte jede*n Teilnehmer*in, ein persönliche Ziel zu formulieren. Darin sollen sie festhalten:

    • Eine nicht-digitale Aktivität, die sie nicht aufgeben oder verlieren möchten.
    • Eine kleine, konkrete Veränderung, die sie in dieser Woche ausprobieren, um ihre Zeit besser zu priorisieren.
    • Falls ihnen das schwerfällt können sie eine vertrauensvolle erwachsene Person hinzuziehen, die sie dabei unterstützen kann.

Erweiterung (15 Minuten)

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht oder die Schüler*innen schneller vorankommen als erwartet, kannst du die Gruppenreflexion erweitern, zum Beispiel indem du eine anonyme Umfrage durchführst, in der gezählt wird, wie oft bestimmte digitale Aktivitäten genannt werden, um herauszufinden, welche in der Klasse am häufigsten vorkommen. 

Weniger Zeit?

Wenn dir weniger Zeit zur Verfügung steht, kannst du einzelne Gruppen auswählen, die ihre Ergebnisse vorstellen, statt alle Gruppen durchzugehen. Du kannst ebenfalls darauf verzichten, die Formenkarten aufzukleben und sie lediglich auf das Zeitdiagramm legen.  

Viel Spaß beim Ausprobieren

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