Save the Children Konzept

Mehr als Likes: Kritisch denken im Influencer-Zeitalter II

Die Schüler*innen entdecken, wie die Jagd nach Klicks und Likes durch Influencer die Wahrheit verzerren kann. Sie lernen eine Risiko-Ampel kennen, um innezuhalten, nachzudenken und zu entscheiden, welche Inhalte sie ignorieren oder melden sollten.

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

So geht's

Mehr als Likes: Kritisch denken im Influencer-Zeitalter II

Informationen zur Methodik

Folgende Methoden werden in dieser Unterrichtsstunde angewendet:  

  • Gemeinsamer Austausch: Ihr sprecht über Gefühle, die durch Vergleiche in sozialen Netzwerken entstehen und wann/warum diese vorkommen (Wundheilversprechen, Körperbilddruck, Geschlechterstereotype). 
  • Stille Post: Eine kooperative Simulation, in der Schüler*innen erleben, wie sich eine neutrale Information durch das Streben nach Likes schrittweise in ein sensationsgeladenes Gerücht verwandelt. 
  • Risiko-Ampel & interaktive Übung: Mit Grün-Gelb-Rot analysieren die Schüler*innen reale Online-Situationen und üben, ob sie Inhalte ignorieren, hinterfragen oder melden sollten. 
  • Abschlussreflexion: Die Erkenntnisse werden zu einem „digitalen Schutzschild“ zusammengeführt. Digitale Sicherheit bedeutet hier nicht Technikexpertise, sondern die Fähigkeit, innezuhalten und Unterstützungsangebote zu nutzen. 

Viele Schüler*innen stoßen auf Social Media ganz nebenbei auf irreführende oder problematische Inhalte – einfach, weil sie Influencern folgen. Das größte Problem ist dabei nicht nur die Falschinformation selbst, sondern die emotionale Aktivierung und der soziale Druck, sofort reagieren zu müssen. 

Genau hier setzt die Aktivität an: Sie macht deutlich, dass dieser Druck nicht ihre Schuld ist, sondern mit der Art zusammenhängt, wie Social Media funktioniert und wo Aufmerksamkeit oft wichtiger ist als Wahrheit. Es geht also nicht darum, Regeln auswendig zu lernen, sondern darum, kurz innezuhalten und bewusster zu reagieren (z. B. mit der Risiko-Ampel).

Einführung (5 Minuten)

  1. Beginne mit einer kurzen Wiederholung der letzten Stunde und rufe die Erinnerungen der Schüler*innen ab, wie sie überprüfen können, ob ein Beitrag online wahr ist oder nicht.
  2. Sammle ein paar Eindrücke. Die Handlungsroutine aus der letzten Stunde kann aufgefrischt werden.
  3. Erkläre, dass ihr heute einen Schritt weiter gehen wollt. Es soll nicht nur darum gehen, ob etwas falsch ist, sondern warum das im Influencer-Umfeld passiert. Dafür schaut ihr euch an, wie der Wunsch nach „Likes“ und Erfolg eine normale Geschichte in etwas völlig anderes verwandeln kann und wie sich das auf Zuschauer*innen auswirkt, ohne dass sie es überhaupt merken.
  4. Frage die Klasse, ob sie schon mal gesehen haben, dass jemand eine Geschichte stark übertrieben hat, damit sie spannender wirkt. Sammle auch hier kurz einige Stimmen und erkläre, dass in sozialen Netzwerken Aufmerksamkeit oft wichtiger ist als Wahrheit.
  5. Verdeutliche den Schüler*innen das Problem: Wenn Inhalte viral gehen sollen, wird Information oft verzerrt. Aus echten Geschichten können Gerüchte oder falsche Aussagen werden. Fehlinformation steckt nicht nur in Politik, sondern z. B. auch in unrealistischen Versprechen, Rollenbildern, gefährlichen Challenges oder dem Druck durch „perfekte“ Körper.
  6. Frage die Schüler*innen: „Hast du dich schon mal schlechter gefühlt, nachdem du einen Post oder ein Profil angeschaut hast?“ oder „Hast du schon mal bei einer Challenge mitgemacht, weil alle es gemacht haben?“.
  7. Erkläre, dass diese Situationen uns zu schädlichen Vergleichen mit anderen verleiten können. Das Erkennen dieser Muster ist der erste Schritt, sich zu schützen. Heute soll es darum gehen, wie die Schüler*innen sich ihre Kontrolle im Umgang mit diesen Inhalten zurückerarbeiten können.
Hintergrundinformationen für Lehrkräfte

In der Welt der sozialen Medien erscheinen Fehlinformationen nicht immer als klassische Fake News. Oft versteckt sie sich in folgenden Formen, um unsere Aufmerksamkeit zu gewinnen: 

Wunder-Versprechen: Beiträge, die Produkte oder Routinen bewerben, die unglaubliche körperliche Veränderungen, schnelle Heilung oder sofortigen Erfolg versprechen. Sie nutzen Wünsche oder Unsicherheiten aus, um Menschen zum Kauf oder zur Nachahmung zu bewegen – auch mit potenziell schädlichen Folgen. 

Gefährliche Challenges: Mutproben, die harmlos oder spannend wirken, weil „alle mitmachen“, aber die körperliche oder psychische Sicherheit gefährden. Sie nutzen Gruppendruck, damit Jugendliche schnell mitmachen, aus Angst, etwas zu verpassen. 

Druck durch Körperbilder: Inhalte mit Filtern und Bearbeitungen, die „perfekte“ Körper und Leben zeigen. Das führt zu ständigem Vergleich und kann dazu führen, dass Schüler*innen sich schlecht fühlen oder ein geringes Selbstwertgefühl entwickeln. 

Gerüchte und Fehlinformationen: Übertriebene oder falsche Geschichten über Gruppen von Menschen (z. B. aufgrund von Geschlecht, Kultur oder Herkunft) oder auch über Mitschüler*innen. Sie verbreiten sich schnell, weil sie oft Empörung auslösen und dadurch anderen schaden können. 

Täuschende Gewinnspiele oder Datensammlungen: Versprechen von großen Gewinnen (z. B. Spielekonsolen, Handys oder Spielwährung) im Austausch für Umfragen oder persönliche Daten. Sie spielen mit Hoffnung und Neugier, um an sensible Informationen zu gelangen. 

Stereotype und Rollenbilder: Inhalte, die starre Vorstellungen davon vermitteln, wie Jungen oder Mädchen sein sollen. Diese Botschaften schränken die eigene Entwicklung ein und können dazu führen, dass andere ausgeschlossen oder abgewertet werden. 

Stille Post - Nachrichtenedition (20 Minuten)

  1. In der ersten Übung erfahren die Schüler*innen wie einfach es ist, eine neutrale Nachricht Schritt für Schritt und mit wenigen Mitteln in Fake News oder ein Gerücht zu verwandeln.
  2. Teile die Klasse für diese Übung in Kleingruppen ein. Die Gruppen müssen durchnummeriert werden. Jede Gruppe benötigt Stifte und Scheren.
  3. Nun erklärst du die Spielregeln:
    • Jede Gruppe stellt eine*n Influencer*in dar, der/die auf einer fiktiven Social-Media-Plattform möglichst viel Aufmerksamkeit bekommen möchte.
    • Zwei Gruppen (am besten die am weitesten entfernt voneinander) erhalten zu Beginn eine neutrale Nachricht ohne Übertreibung, die nur eine Tatsache beschreibt.
    • Jede Gruppe hat dann die Aufgabe, die Nachricht ein kleines bisschen spannender zu machen, die neue Version aufzuschreiben und nur diese Version weiterzugeben.
    • So geht die Nachricht reihum von Gruppe zu Gruppe, bis sie am letzten Tisch angekommen ist.
    • Dann werden die erste und die letzte Nachricht nebeneinandergelegt, laut vorgelesen und verglichen.

Wenn eine Gruppe zwischendurch nicht weiterkommt oder beide Nachrichten gleichzeitig in einer Gruppe hängen bleiben, können sie übersprungen und eine der Geschichten an die nächste Gruppe weitergegeben werden.

  1. Stellt euch folgende Fragen nach einer Runde:
    • An welchem Punkt habt ihr aufgehört, die Wahrheit zu erzählen?
    • Welche Elemente habt ihr hinzugefügt, um die Nachricht spannender zu machen?
    • Wie habt ihr euch gefühlt, als ihr diese aufregenden Nachrichten gelesen habt?
  2. Erkläre, dass so auch soziale Netzwerke funktionieren. Manchmal übertreiben Menschen, um Aufmerksamkeit zu erregen. Andere Posts sind vielleicht von Grund auf darauf ausgelegt, Falschnachrichten zu verbreiten. In beiden Fällen kann das Ergebnis schädlich sein, weshalb wir uns in der nächsten Übung angucken, wie die Schüler*innen sich davor schützen können.
Beispiel Entwicklung einer neutralen Nachricht
  1. „Wissenschaftler*innen haben ungewöhnliche Vögel im Stadtpark beobachtet, die sich merkwürdig verhalten, weil die Temperaturen leicht gestiegen sind.“
  2. „Wissenschaftler*innen haben riesige, ungewöhnliche Vögel im Stadtpark beobachtet, die sich mysteriös verhalten. Klick hier, um Bilder zu sehen.“
  3. „Alarm! Mutierte Vögel greifen den Park an! Ursache ist ein geheimes Klima-Experiment. Bleibt zu Hause und erfahrt, wie ihr euch schützen könnt!“

Risiko-Ampel (20 Minuten)

  1. In der nächsten Übung geht es darum zu lernen, wie man im Alltag mit solchen Inhalten und Beiträgen umgeht. Denn oft ist nicht sofort erkennbar, ob Inhalte absichtlich verzerrt wurden. Dafür nutzen wir die Aktivität „Risiko-Ampel“. In dieser Übung trainieren die Schüler*innen, kurz innezuhalten und zu entscheiden: Soll ich den Inhalt ignorieren, eine erwachsene Vertrauensperson fragen oder aktiv darauf reagieren, um mich und andere zu schützen?
  2. Gib jeder Gruppe ein Tablet / einen Laptop und bitte sie, die Wayground Webseite zu öffnen. Starte das vorbereitete Quiz. Bevor du den Spielcode mitteilst, erklärst du den Schüler*innen, was im Quiz zu tun ist:
    • Im Quiz seht ihr verschiedene Posts, die Aufmerksamkeit erzeugen wollen – manche sind harmlos, andere riskant.
    • Es gibt nicht immer nur eine richtige Antwort! Wichtig ist, dass ihr später über die Fälle diskutieren könnt.
    • Die Antworten orientieren sich an der Ampel: Grün, Gelb, Rot – jede Farbe steht für eine unterschiedliche Reaktion.
Wofür stehen die Ampel-Farben im Spiel?

Die Einteilung nach Risiko sieht so aus:

Grün (Ignorieren):
Gilt für Inhalte, die harmlos, offensichtlich falsch oder nur übertrieben sind und niemandem direkt schaden. Am besten einfach weiterscrollen und ihnen keine Aufmerksamkeit geben. So entscheidest du bewusst, dich nicht mit sinnlosem Content zu beschäftigen. Wenn dich etwas trotzdem leicht verunsichert, kannst du später immer noch mit jemandem darüber sprechen. Wichtig: Wenn ein Beitrag jemanden angreift, beleidigt, zu riskantem Verhalten drängt oder persönliche Daten abfragt, ist er nicht grün.

Für Inhalte, die Zweifel auslösen oder sich komisch anfühlen – z. B. „Wunder“-Versprechen oder starke Klischees. Hier heißt es: kurz stoppen und überlegen. Ist das wirklich wahr oder ein Trick? Am besten nicht sofort reagieren, sondern eine erwachsene Vertrauensperson oder Lehrkraft fragen oder selbst weiter recherchieren. 

Für klar gefährliche Inhalte, z. B. riskante Challenges, schädliche Gerüchte oder Fake-Gewinnspiele, die Daten abfragen. Hier sofort handeln: stoppen, den Account blockieren, den Beitrag melden und unbedingt einer Vertrauensperson Bescheid sagen. Sicherheit geht vor. 

  1. Jetzt können die Schüler*innen mit dem Quiz beginnen. Zwischen den Posts könnt ihr stoppen und in den Austausch gehen: Wie würden die Schüler*innen diesen Post einordnen?

Abschluss (5 Minuten)

  1. Zum Abschluss erinnerst du deine Schüler*innen daran: Das Influencer-Ökosystem spiegelt die Realität oft verzerrt wider, um Aufmerksamkeit und Reichweite zu bekommen. Sicher im Netz unterwegs zu sein heißt nicht, alles zu wissen, sondern zu merken, wann man stoppen und sich Unterstützung holen sollte – damit man das Internet selbstbewusst, sicher und ohne schlechtes Gefühl nutzen kann.

Erweiterung (15 Minuten)

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht oder die Schüler*innen schneller Fortschritte machen als erwartet, können sie eine zweite Runde „Stille Post“ spielen und/oder die Debatte vertiefen, nachdem sie die Ampelfarbe für jeden Beitrag im Quiz zugeordnet haben.

Weniger Zeit?

Steht weniger Zeit zur Verfügung, kannst du die Kleingruppen bei “Stille Post” nochmal in 2 Gruppen unterteilen, sodass sie in kleineren Runden spielen und die Nachricht schneller bei ihnen ankommt.
Viel Spaß beim Ausprobieren

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