Save the Children Konzept

Digitale Resilienz: Ungewollten Inhalten souverän begegnen I

Die Schüler*innen setzen sich mit Situationen auseinander, in denen sie unbeabsichtigt auf altersunangemessene Inhalte im Netz stoßen. Sie üben mithilfe eines kooperativen Spiels eine Sicherheitsroutine, die sie in solchen Fällen anwenden können.

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

So geht's

Digitale Resilienz: Ungewollten Inhalten souverän begegnen I

Vorbereitung

  • Lege alle Materialien für die Unterrichtseinheit bereit.
  • Drucke die leeren Situationskarten und Schutzkarten aus.
Informationen zur Methodik

Folgende Methoden werden in dieser Unterrichtsstunde angewendet: 

  • Einstieg in die Routine: Vorstellung der dreistufigen Sicherheitsstrategie „Schließen-Blockieren-Melden“ als klarer Handlungsplan, um wieder Kontrolle zu gewinnen und sich sicherer zu fühlen. 
  • Kreative Situationsgestaltung: Die Schüler*innen entwickeln eigene „Situationskarten“ auf Basis realer Beispiele (z. B. Pop-ups, Werbung, defekte Links) – unter klaren Regeln, damit sich alle im Unterricht wohlfühlen. 
  • Kooperatives Spiel: Ein Kartenspiel, bei dem die ganze Gruppe zusammenarbeitet, um digitale Risiken mithilfe von „Schutzkarten“ zu lösen. 
  • Anwendung und Anpassung: Die Gruppen wählen eine konkrete Situation aus und entwickeln passende Lösungsstrategien, indem sie die „Schließen-Blockieren-Melden“-Routine auf den jeweiligen Fall übertragen. 
  • Unterstützungsnetz erkennen und reflektieren: Zum Abschluss überlegen die Schüler*innen, welche zwei oder drei vertrauenswürdigen Erwachsenen sie im Ernstfall ansprechen können, sodass klar ist, an wen sie sich wenden können, um Unterstützung zu bekommen. 

Es kommt häufig vor, dass Kinder beim Surfen oder Spielen im Internet zufällig auf Inhalte stoßen, die nicht für ihr Alter geeignet sind. Das Problem ist dabei nicht nur der Inhalt selbst, sondern auch die Reaktion darauf: Oft entstehen Scham oder Angst vor Ärger, sodass Kinder solche Erlebnisse verheimlichen und allein damit umgehen. Wenn man solche Situationen als „unbeabsichtigte Begegnung“ statt als etwas „Verbotenes“ einordnet, fällt es ihnen leichter, offen damit umzugehen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren: richtig zu reagieren, um sicher zu bleiben. 

Diese Aktivität soll helfen, aus einer verunsichernden Situation eine einfache Handlungsroutine zu machen. Ziel ist, dass die Schüler*innen verstehen: Sich Hilfe bei einer vertrauten erwachsenen Person zu holen ist kein „Fehler eingestehen“, sondern ein wichtiger Schritt, um Unterstützung zu bekommen und wieder Sicherheit zu gewinnen. 

Hinweis zum Schutz der Schüler*innen: Wenn ein*e Schüler*in von einer möglichen Gefährdung oder belastenden Online-Erfahrung berichtet, sollten die schulischen Schutz- und Meldeverfahren eingehalten und die zuständige Ansprechperson informiert werden. 

Einführung (5 Minuten)

  1. Beginne mit einer offenen Frage an die Klasse:

    „Manchmal sieht man beim Spielen, Videoschauen oder Suchen im Internet etwas, das sich komisch, verwirrend oder unangenehm anfühlt. Ist euch das schon einmal passiert? Ihr dürft die Frage auch passen oder ganz allgemein antworten.“

  2. Schreibe Gefühle, die genannt werden, an das Whiteboard, z. B.: überrascht, angewidert, erschrocken, neugierig.
  3. Ziel der Übung ist es, die Gefühle der Schüler*innen zu bestätigen und klarzumachen, dass das vielen Menschen online passiert und die Schüler*innen keine „Schuld“ daran tragen, wenn sie solche Inhalte sehen.
  4. Erkläre anschließend den Perspektivwechsel: Statt von „verbotenen“ oder „schlechten“ Dingen, sprechen wir von „unbeabsichtigter Begegnung mit altersunangemessenen Inhalten“. Entscheidend ist nicht, dass diese Inhalte erscheinen, sondern wie man darauf reagiert.
  5. Kündige an, dass es heute darum geht zu lernen, wie man in solchen Situationen wieder Kontrolle und Ruhe gewinnt. Dafür vermeiden wir nicht das Internet, sondern nutzen einen klaren Handlungsplan. Diesen üben die Schüler*innen im nächsten Schritt mithilfe eines Kartenspiels.
Hintergrundinformationen zur Handlungsroutine
Mit dieser schnellen Handlungsabfolge soll die emotionale Gesundheit und digitale Sicherheit von Minderjährigen geschützt werden. Sie besteht aus drei zentralen Schritten: 
  •  Close (Schließen): Die unmittelbare Reaktion. Die App verlassen, den Tab schließen oder den Bildschirm ausschalten, um die Sicht auf den Inhalt zu beenden und die emotionale Wirkung zu stoppen. Nicht weiterklicken, nichts teilen und keine Screenshots machen.
  •  Block (Blockieren): Wenn die Plattform es erlaubt, sollte die Quelle (z. B. Nutzer*in, Werbung oder Website) blockiert werden, damit der Inhalt nicht erneut erscheint und die digitale Selbstbestimmung gestärkt wird.
  •  Tell (Melden/Erzählen): Der wichtigste Schritt, um Verantwortung abzugeben. Indem das Kind einer vertrauten erwachsenen Person erzählt, was passiert ist, gibt es die „Sorgenlast“ weiter und erhält Unterstützung beim Verarbeiten und möglichen weiteren Handeln.

Ziel dieser Routine ist es, unangemessene Inhalte zu entdramatisieren und eine automatische Reaktion zu entwickeln, die Angst oder Erstarren durch ein sicheres und unterstütztes Handeln ersetzt. 

Interaktives Spiel: Vorbereitung (10 Minuten)

  1. Teile die Klasse in Kleingruppen ein und händige allen Schüler*innen jeweils zwei leere Situationskarten aus.
  2. Erkläre: „Auf diese Karten schreibt ihr Situationen, in denen man unbeabsichtigt auf ungeeignete Inhalte stoßen könnte. Jede*r füllt zwei Karten aus.“
  3. Teile den Schüler*innen außerdem noch folgende Regeln mit:
    • Nicht beschreiben, was man sieht, sondern wie es auftaucht. (Beschreibung unangenehmer Inhalte sollte vermieden werden)
    • Erlaubt sind Beschreibungen wie die Inhalte erscheinen: z.B. Pop-up, Werbung, kaputter Link.
    • Nicht erlaubt sind Beschreibungen zu Körperteilen, sexuelle Begriffe, konkrete Webseiten.
    • Wenn eine Karte zu spezifisch oder grafisch beschrieben ist, kannst du den Schüler*innen helfen, diese umzuformulieren.
    • Um sicherzugehen, dass die Karten richtig formuliert sind, sollten sie nach folgendem Schema vorgehen: Du machst [X] online und [Y] passiert unerwartet. (z.B. „Du guckst ein Video online und eine komische Werbung öffnet sich als Pop-Up.“)
  1. Während die Schüler*innen die Situationskarten ausfüllen, verteilst du je Gruppe einen Satz der Schutzkarten. Diese schneidet die Gruppe aus und legt sie in der Tischmitte ab. In jedem Satz befinden sich auch drei Blanko-Karten, die zunächst beiseite gelegt werden können.
  2. Nachdem alle Schüler*innen ihre zwei Situationskarten ausgefüllt haben, werden diese eingesammelt, gemischt und wieder gleichmäßig unter den Gruppenmitgliedern aufgeteilt, mit der Vorderseite nach unten.

Interaktives Spiel: Durchführung (20 Minuten)

  1. Um das Spiel zu starten, erklärst du nun einmal die Schutzkarten: Dies sind die Karten, die die Gruppe in jeder Runde zum Spielen verwendet. Es gibt drei Arten: „Schließen“, „Blockieren“ und „Melden“ – die drei Schritte der zuvor erlernten Handlungsroutine. Zusätzlich enthält jede Karte ein Beispiel, das zu der jeweiligen Handlung passt.
  2. Weise darauf hin: Diese Beispiele haben keinen Einfluss auf den Spielverlauf, wir bitten die Schüler*innen jedoch, sie während des Spielens zu lesen, um die drei Schritte der Routine besser kennenzulernen.
 

Spielregeln

  • Das Spiel ist kooperativ: Alle gewinnen oder verlieren gemeinsam.
  • Jede Person zieht zu Beginn 4 Schutzkarten vom Stapel.
  • Der Startspieler deckt eine Situationskarte auf und liest sie vor. 
  • Reihum spielt jede Person eine Schutzkarte und zieht danach eine neue vom Stapel, sodass jeder Spieler immer 4 Schutzkarten auf der Hand hat. 
  • Um die Situation zu lösen, muss die Gruppe die drei verschiedenen Schutzkarten ausspielen, ohne sie zu wiederholen (Schließen / Blockieren / Melden in beliebiger Reihenfolge). 
  • Wenn dies gelingt, legt die Gruppe die Karte offen zur Seite. Eine Situation weniger zu bewältigen! 
  • Wenn ein*e Spieler*in keine andere Schutzkarte ausspielen kann als die bereits gespielten (weil sie nicht auf der Hand ist), wird die Situation nicht gelöst. Sie wird verdeckt unter den Stapel der Situationskarten gelegt. Diese Situation muss später erneut bearbeitet werden! 
  • Die nächste Situationskarte wird aufgedeckt und das Spiel wird fortgesetzt, bis alle Situationen gelöst sind.
  • Sobald der Stapel mit Schutzkarten leer ist, können die bereits verwendeten Karten gemischt und wieder verdeckt auf den Stapel gelegt werden.
 
  1. Nach einigen Runden kannst du als zusätzliche Regel einführen, dass die Schüler*innen nicht mehr darüber sprechen dürfen, welche Karten sie auf der Hand haben.
  2. Wenn genügend Zeit ist, kannst du nach Beendigung des Spiels noch weitere Runden spielen lassen, indem die Situationskarten zwischen den Gruppen getauscht werden.

Dieses kooperative Spiel hilft den Schüler*innen, eine sichere Reaktion auf unangemessene Inhalte zu automatisieren, ohne dass sie sich dabei bewertet oder überfordert fühlen. 

Durch das gemeinsame Wiederholen der „Schließen-Blockieren-Melden“-Abfolge wird eine typische Stress- oder Schrecksituation in ein klares, einfaches Handlungsschema umgewandelt. Dadurch können sie im Ernstfall ruhiger und sicherer reagieren. 

Die Beispiele auf den Karten helfen dabei, die Spielmechanik mit realen Alltagssituationen zu verbinden. So erkennen die Schüler*innen Risiken leichter und verstehen „Melden“ als wichtigen Schutzschritt. Gleichzeitig wird das Gefühl von Schuld reduziert und deutlich gemacht, dass es richtig und wichtig ist, sich Hilfe zu holen, um das eigene digitale Wohlbefinden zu schützen. 

Durch den Schritt „Blockieren“ lernen die Schüler*innen außerdem, ihre Kontrollmöglichkeiten bewusst zu prüfen. Auch wenn sich nicht alles blockieren lässt (z. B. Werbung oder Pop-ups), hilft die Routine dabei zu erkennen, was möglich ist und zu verstehen, dass „Melden“ besonders wichtig ist, wenn sie eine Situation nicht allein stoppen können und Unterstützung durch Erwachsene brauchen. 

Abschluss (10 Minuten)

  1. Jede Gruppe wählt zum Abschluss eine Situationskarte aus und erstellt eigene Schutzkarten, spezifisch passend zu dieser Situation. Dazu nutzen sie die zuvor beiseite gelegten Karten.
  2. Betone zum Schluss: „Die Handlungsroutine funktioniert nur, wenn es jemanden gibt, dem wir davon erzählen und uns anvertrauen.“
  3. Lass die Schüler*innen 2-3 vertraute Erwachsene benennen, z. B.: Eltern oder andere Familienmitglieder, Lehrkräfte oder Schulsozialarbeiter*innen, Coaches oder andere Bezugspersonen.
  4. Ziel ist es, dass jede Person den Raum mit einem klaren Unterstützungsnetzwerk verlässt.

Erweiterung (15 Minuten)

Wenn mehr Zeit zur Verfügung steht, kann am Ende der Aktivität ein Wandbild (z.B. auf Padlet oder dem digitalen Whiteboard) erstellt werden, dass die Situationskarten und die von jeder Gruppe entworfenen personalisierten Schutzkarten zeigt.

Weniger Zeit?

Wenn weniger Zeit zur Verfügung steht, kannst du nur die Hälfte der Situationskarten pro Spiel verteilen und dann versuchen, eine weitere Runde mit der anderen Hälfte zu spielen, oder jede*r Schüler*in entwirft nur eine Situationskarte statt zwei.

Viel Spaß beim Ausprobieren

Das könnte dich auch interessieren:

Cookie Consent mit Real Cookie Banner