Save the Children Konzept

Richtlinien im digitalen Raum: Was darf ins Netz?

In dieser Unterrichtseinheit setzen sich die Schüler*innen mit Richtlinien für den Umgang im digitalen Raum auseinander. Sie lernen, warum es wichtig ist, die Einwilligung einzuholen, bevor Inhalte über andere geteilt werden, und reflektieren, welche persönlichen Informationen geschützt werden sollten.  

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

Headerbild Richtlinien im digitalen Raum - Konzept von Save the Children
So geht's

Richtlinien im digitalen Raum

Vorbereitung

  • Beamer/Display als Präsentationsfläche

  • Internetverbindung testen

  • Optional: Taskcard oder digitales Whiteboard zur Ergebnissicherung einrichten
  • Optional: Handout mit Beispielen zu Richtlinien (Anhang 2 – siehe oben unter Downloadmaterial) ausdrucken

Bereite zwei Spalten auf einem digitalen Whiteboard (mit einem Tool wie Taskcard) oder an der Tafel vor. Label die Spalten mit „Darf ohne Einwilligung geteilt werden“ und „Darf nicht ohne Einwilligung geteilt werden“. Die Schüler*innen sollen während der ersten Übung ihre Gedanken darin eintragen.

Einführung (15 Minuten)

  1. Begrüße die Schüler*innen und erkläre, dass das Thema der Stunde Oversharing ist. Damit ist gemeint, zu viele persönliche Informationen online zu teilen. Viele Posts in den sozialen Medien zeigen Dinge über uns, die vielleicht nicht für alle zur Ansicht gedacht sind. Manchmal merken wir gar nicht, welche Informationen andere über uns verbreiten. Zeige zur Veranschaulichung das Beispiel für einen Post (Anhang 1).
  2. Leite die Jugendlichen an, darüber nachzudenken:
    • Frage sie, ob so ein Post mit oder ohne Einwilligung der betroffenen Person gepostet werden darf.
    • Lass sie kurz abstimmen:
      • 👍 Daumen hoch → „Darf ohne Einwilligung geteilt werden“
      • 👎 Daumen runter → „Darf nicht ohne Einwilligung geteilt werden“
  1. Unterteile in zwei Gruppen.
    • Diejenigen, die mit 👍 Daumen hoch abgestimmt haben, sollen sich zu kleinen Gruppen von 2-3 Personen zusammenfinden und besprechen, warum sie es okay finden, den Post ohne Einwilligung zu teilen. 
    • Diejenigen, die mit 👎 Daumen runter gestimmt haben, finden sich ebenfalls in Gruppen zusammen und besprechen die Gründe für ihre Haltung.

Beide Gruppen tragen dann ihre Ansichten in Stichpunkten in die zwei vorbereiteten Spalten ein.

  1. Schaut euch gemeinsam die Ergebnisse an. Erkläre, dass es ein Spannungsfeld geben kann:
    • Einerseits möchten Menschen Informationen über andere teilen – zum Beispiel, weil sie stolz sind, etwas zeigen wollen, das andere geschafft haben, oder weil sie eine Freundschaft betonen möchten.
    • Andererseits geht es aber auch um die eigene Privatsphäre und darum, welche Informationen man selbst im Netz über sich preisgeben möchte.

Mache den Schüler*innen bewusst, dass sie Rechte in Bezug auf ihre eigenen Daten haben – und auch darüber, was über sie im digitalen Raum veröffentlicht wird.

Informationen für Lehrkräfte

Soziale Medien - ein großes Erinnerungsalbum

Die sozialen Medien kann man sich wie ein großes Erinnerungsalbum vorstellen: Freunde, Familie oder Bekannte fügen Bilder, Geschichten und stolz geteilte Momente hinzu. Meistens passiert das aus guten Absichten, um Erfolge zu feiern.

Jugendliche sehen dieses „Erinnerungsalbum“ jedoch oft anders: Studien zeigen, dass über 60 % der Teenager sich mehr Kontrolle darüber wünschen, was andere über sie posten. Was für andere Freude oder Stolz ausdrückt, kann für Jugendliche peinlich, aufdringlich oder sogar belastend sein, besonders wenn sie gerade ihre eigene Identität entwickeln. 

Dies führt zum Thema digitale Zustimmung: Genau wie man gefragt werden sollte, bevor jemand die eigene Kleidung verleiht, haben Jugendliche das Recht, zu entscheiden, ob Fotos oder persönliche Geschichten online geteilt werden. Dieses Recht stützt sich auf Artikel 12 und 16 der UN-Kinderrechtskonvention, die das Mitspracherecht und den Schutz der Privatsphäre von Kindern garantieren. 

Wichtig für Jugendliche: Zustimmung online funktioniert wie Zustimmung offline – sie muss informiert, freiwillig und jederzeit anpassbar sein. Grenzen dürfen gesetzt, Meinungen geändert und respektiert werden. Wenn digitale Zustimmung gemeinsam geübt wird, wird Oversharing zu einem Gespräch statt zu einseitigen Handlungen. 

Praxisteil: Gefühle und digitale Rechte (20 Minuten)

In der nächsten Übung erarbeiten die Schüler*innen Richtlinien, wie sie im digitalen Raum behandelt werden möchten. Bei den vielen Momenten, die in den sozialen Medien geteilt werden, gibt es Grenzen, die beachtet werden sollten und Situationen, mit denen sich nicht alle Personen wohlfühlen.

  1. Teile die Schüler*innen in Gruppen von vier Personen ein und erkläre, dass sie gemeinsam Social Media Richtlinien für das Teilen von Inhalten entwickeln sollen.
  2. Stelle zur Einstimmung die Fragen:
    • „Wie würdet ihr euch fühlen, wenn jemand ein Foto von euch ohne Erlaubnis postet?“ und
    • „Wart ihr schon einmal in einem Beitrag markiert, der euch unangenehm war?“
  1. Zeige den Jugendlichen das Beispiel-Handout (Anhang 2) und weise sie an, mithilfe der vorgegebenen Impulse auf dem Handout eigene Regeln und Formulierungen zu entwickeln.
  2. Erkläre, dass es darum geht, digitalen Respekt aufzubauen: So wie man vorher fragt, bevor man persönliche Dinge leiht, sollte man auch vorher fragen, bevor man etwas über andere online teilt. Gib den Schüler*innen ihre Aufgabe:

Aufgabe

Erarbeitet in eurer Gruppe Richtlinien für das Teilen von Inhalten im Netz.

    • Überlegt euch, in welchen Situationen es wichtig ist, vorher nach Zustimmung zu fragen.
    • Stellt klare Regeln auf und formuliert Grenzen.

Orientiert euch am Beispiel-Handout und haltet eure Vereinbarung stichpunktartig auf einem Blatt oder in einer Taskcard fest.

Hier sind einige Merksätze, die die Schüler*innen in ihre Richtlinien aufnehmen könnten:

Einverständnis 

  • Tag-Check: Bevor ich ein Foto oder Video poste und jemanden markiere, schicke ich der Person eine kurze Nachricht und frage um Erlaubnis.
  • Keine Überraschungsfilter: Ich teile keine Fotos mit Filtern oder Bearbeitungen, die jemanden in Verlegenheit bringen könnten, ohne vorher zu fragen.
Privatsphäre schützen 

  • Verpixeln/Zuschneiden: Wenn z.B. das Schul-Logo oder eine Hausnummer im Hintergrund zu sehen ist, schneide ich das Bild ab oder verpixele Details vor dem Posten.
  • Keine Echtzeit-Ortungen: Ich poste und markiere den Ort erst, nachdem wir den Ort bereits verlassen haben.
  • Namen schützen: In Bildunterschriften verwende ich nur Vornamen (oder Spitznamen/Emojis), niemals volle Namen.
Recht auf „Nein“ 

  • Sofort löschen: Wenn jemand kommentiert oder eine Nachricht schreibt „Bitte löschen“, entferne ich den Post so schnell wie möglich.
  • Nachträglich Bearbeiten: Wenn jemand lieber möchte, dass ich die Bildunterschrift ändere, anstatt alles zu löschen, mache ich das problemlos.
  • Keine Erklärung nötig: Wenn jemand möchte, dass etwas gelöscht wird, muss er oder sie keinen Grund angeben. Die Entscheidung wird respektiert.
  • Gruppenfotos: Wir posten nur, wenn alle auf dem Foto zustimmen. Ein einziges „Nein“ bedeutet, dass wir es nicht posten.
Private Freigabe 

  • Enge Freunde: Wenn der Inhalt sehr persönlich ist, wie Insider-Witze oder Familienmomente, teilen wir ihn nur mit engen Freund*innen.
  • Direktnachricht-Check: Bevor ich etwas Sensibles poste, frage ich, ob es besser wäre, es privat als Direktnachricht zu senden.
  1. Wenn alle Gruppen fertig sind, können die Richtlinien im Plenum präsentiert und im Klassenraum aufgehangen werden. Jede Gruppe stellt einen Merksatz vor, der ihnen besonders wichtig erscheint.

Die Schüler*innen können die Richtlinien auch mit ihren Freunden, der Familie und anderen Personen aus ihrem Umkreis teilen.

Abschluss (10 Minuten)

  1. Schließe die Stunde gemeinsam mit den Schüler*innen ab und blende ein Zitat von UNICEF ein:  

„Wenn wir Dinge über andere online teilen, ohne sie einzubeziehen, verpassen wir die Gelegenheit, Zustimmung zu vermitteln.“

Die Schüler*innen erhalten eine Minute Zeit, um schriftlich festzuhalten, was digitale Zustimmung für sie persönlich bedeutet. Danach können zwei bis drei Schüler*innen ihre Gedanken mit der Klasse teilen.  

  1. Betone abschließend, dass es völlig legitim ist, Grenzen zu setzen und dass offene Gespräche darüber wichtig für das digitale Wohlbefinden sind. Gib ihnen folgende Tipps mit auf den Weg, falls sie mit jemandem über ihre digitalen Rechte in einen Konflikt geraden: 
  • Bleib ruhig und klar. Du kannst etwas sagen wie: „Ich will nicht unhöflich sein, ich fühle mich damit einfach nicht wohl“ oder „Es ist mir wichtig, auch wenn es für dich keine große Sache ist.“
  • Wiederhole deine Grenze, falls nötig. Andere verstehen sie nicht immer sofort. Du kannst sie sanft daran erinnern, dass du gesagt hast, dass du nicht möchtest, dass das geteilt wird, und sie bitten, es für sich zu behalten.“
  • Du kannst mit einem vertrauenswürdigen Erwachsenen sprechen. Wenn jemand deine Gefühle immer wieder ignoriert, musst du damit nicht alleine klarkommen. Du kannst mit einem Lehrer, deinen Eltern oder einem anderen Erwachsenen deines Vertrauens sprechen. Sie können dich unterstützen.
  • Wähle, wem du vertraust. Wenn jemand deine Wünsche online oder offline nicht respektiert, ist es in Ordnung, etwas Abstand zu nehmen. Menschen, denen du wichtig bist, hören dir zu, auch wenn sie anderer Meinung sind.

Erweiterung (15 Minuten)

  • Für fortgeschrittene Schüler*innen bietet sich eine Erweiterung an: Die Schüler*innen können ihre Richtlinien auf einem Poster visualisieren. Dafür bietet sich z.B. das Programm Canva an.  

Weitere Ressourcen
  • Digital Wellness Lab website which is not-for-profit research center focusing on online wellbeing Zur Quelle
  • UNICEF Article: What you need to know about „sharenting“ – Expert tips on protecting your child’s privacy in the digital age Zur Quelle
  • Barnes, R. & Potter, A. (2021). Sharenting and parents’ digital literacy: an agenda for future research. Communication research and practice, 7(1), 6-20.
  • Marasli, M., Suhendan, E., Yilmazturk, N. H. & Cok, F. (2016). Parents’ shares on social networking sites about their children: Sharenting. The Anthropologist, 24(2), 399-406. 
Viel Spaß beim Ausprobieren

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