Face-Filter mit KI in Scratch programmieren

Schüler*innen finden heraus, wie KI-Gesichtsfilter eigentlich funktionieren. Viele kennen sie schon aus Social Media, wo sie das Aussehen verändern oder lustige Effekte einblenden. Durch praktische Übungen bekommen sie einen Einblick in die Technik hinter Gesichtserkennung und erfahren, wie Filter einzelne Merkmale im Gesicht erfassen. Indem KI-Konzepte mit Apps und Tools verbunden werden, die sie täglich nutzen, verstehen sie besser, wie die Filter technisch funktionieren und welche Folgen das für Privatsphäre, Identität und ihr digitales Miteinander hat.

Face-Filter mit KI - Unterrichtskonzept Coding For Tomorrow
So geht's

Face-Filter mit KI in Scratch programmieren

Vorbereitung

  • Digitale Endgeräte (Tablet/ Laptop) aufladen
  • WLAN-Verbindung sicherstellen
  • Software Scratch bereitstellen für alle Endgeräte

Einführung (10 Minuten)

  1. Beginne die Einheit mit einem kurzen Einstieg, der die Aufmerksamkeit der Schüler*innen auf Face-Filter lenkt:
     
    • Zeige zunächst die Beispiel-Bilder von Personen mit Face-Filtern und frage die Schüler*innen, ob sie selbst schon einmal ähnliche Filter genutzt haben um älter, jünger, „schöner“ oder lustiger auszusehen.
    • Gib ihnen kurz Zeit, über eigene Erfahrungen nachzudenken, und sammle einige Eindrücke.
Face-Filter mit KI - Beispiel 1
Face-Filter mit KI - Beispiel 2
Face-Filter mit KI - Beispiel 3
  1. Lenke die Aufmerksamkeit auf die Funktionsweise der Technologie:
    • Richte den Blick der Schüler*innen bewusst weg vom reinen Spaßfaktor der Filter und hin zu ihrer technischen Grundlage.
    • Mache deutlich, dass zwar alle erleben, wie schnell und einfach solche Filter das Aussehen verändern, aber nur wenige darüber nachdenken, wie diese Veränderungen eigentlich entstehen.
       
  2. Animiere die Schüler*innen dazu, darüber nachzudenken,
    • wie die Filter in Apps die Position von Augen, Mund oder Nase erkennen, selbst bei Kopfbewegungen, und
    • wie sie dafür sorgen, dass sich virtuelle Objekte wie Brillen oder Ohrringe präzise auf dem Gesicht mitbewegen.
    • Sammle die Vermutungen und Ideen sichtbar am Whiteboard, (z.B. Kamera, Software, Tracking, KI, …) um ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln.
       
  3. Leite über zum Thema der Stunde: KI in Face-Filtern
    Erkläre, dass sie in der heutigen Stunde die Technologie hinter diesen Filtern untersuchen und gezeigt wird, wie Künstliche Intelligenz diese Funktion möglich macht. Dafür lernen die Schüler*innen verschiedene Computer Vision Technologien kennen.
     
  4. Erkundet die Technologie hinter den Filtern
    Hilf den Schüler*innen, die verschiedenen Technologien zu verstehen, die Face-Filter ermöglichen. Zeige dazu die folgenden Bilder und erkläre die Konzepte dahinter, um die Unterschiede zwischen
    • Face detection (Gesichtserfassung)
    • Facial landmark detection (Erkennung von Gesichtspunkten)
    • Facial recognition (Gesichtserkennung)
    zu verdeutlichen.

Übungen mit den folgenden Bildern

Übung: Gesichtserfassung

Konzept Face-Filter mit KI - Bild 1_Gesichtserfassung (Quelle: Perplexity)

Übung Bild 1: Gesichtserfassung

Gesichtserfassung findet Gesichter in Bildern – „Da ist ein Gesicht.“

  • Beantwortet die Frage: „Sind hier Gesichter vorhanden?“
  • Was zu sehen ist: Um jedes erfasste Gesicht wurde ein Rahmen gezeichnet.
      

Beispiel aus dem Alltag:
Eine Kamera-App, die Quadrate um die Gesichter der Personen einblendet.

Was KI und Maschinelles Lernen damit zu tun hat:
Das System erkennt, ob überhaupt ein Gesicht im Bild ist. Maschinelles Lernen hilft dabei, typische Merkmale eines menschlichen Gesichts zu erkennen. Die KI wurde zuvor mit großen Datenmengen darauf trainiert, wie ein Gesicht aussieht.

Übung: Erkennung von Gesichtspunkten

Konzept Face-Filter mit KI - Bild 2a_Erkennung von Gesichtspunkten: (Quelle: Perplexity)
Konzept Face-Filter mit KI - Bild 2b_Erkennung von Gesichtspunkten: (Quelle: Perplexity & angepasst in Pictoblox)

Übung Bild 2a und 2b: Erkennung von Gesichtspunkten

Erkennung von Gesichtspunkten findet spezifische Teile von Gesichtern – „Hier sind die Gesichtsteile“

  • Beantwortet die Frage: „Wo genau sind Augen, Nase und Mund?“
  • Was zu sehen ist: Punkte, sogenannte Landmarks oder Schlüsselstellen, die auf Gesichtsmerkmalen platziert werden (z.B. Augenwinkel, Nasenspitze).
     

Beispiel aus dem Alltag:
Nach der Erkennung der Landmarks können Anwendungen automatisch Objekte an diesen Punkten platzieren (z.B. Snapchat-Filter, die Hundeohren exakt auf dem Kopf positionieren oder, wie im Beispiel hier, eine Brille auf die Augen setzen).

Was KI und Maschinelles Lernen damit zu tun hat:
Dieser Schritt bestimmt exakt, wo Augen, Nase, Mund und weitere Schlüsselstellen liegen. Maschinelles Lernen hilft dem System, diese Punkte korrekt zu finden, auch wenn die Person den Kopf bewegt oder lächelt. Die KI wurde mit Daten trainiert, wie sich Gesichter typischerweise bewegen.

Übung: Gesichtserkennung

Konzept Face-Filter mit KI - Bild 3a_Gesichtserkennung (Quelle: Perplexity & angepasst in Pictoblox)
Konzept Face-Filter mit KI - Bild 3b_Gesichtserkennung (Quelle: Perplexity & angepasst in Pictoblox)

Übung Bild 3a und 3b: Gesichtserkennung

Gesichtserkennung identifiziert, wer jemand ist – „Das ist mein Freund Luca!“

  • Beantwortet die Frage: „Wer ist diese Person?“
  • Was zu sehen ist: Eine Nachricht, die die Person identifiziert.
     

Beispiel aus dem Alltag:
Dein Telefon wird entsperrt, wenn es dein Gesicht erkennt.

Was KI und Maschinelles Lernen damit zu tun hat:
Das System versucht zu erkennen, wer die Person ist. Maschinelles Lernen vergleicht das Gesicht mit gespeicherten Beispielen, um die Person zuverlässig zu identifizieren.

Erkundung des Face Landmark Detectors (5 min)

  1. Um zu sehen, wie KI Gesichtspunkte in der Praxis erkennt, erkunden die Schüler*innen alleine oder im Team die Technik in einer Demo. Dort können sie beobachten, wie die Gesichtspunkte erkannt werden.
 
    Aufgabe
      • Nach dem Aufrufen des Links muss die Kamera/Webcam aktiviert werden.
      • Im „Display-Modus“ wählen die Schüler*innen zunächst „Grid Renderer“, um alle erkannten Gesichtspunkte zu sehen.
      • Nachdem sie die Einstellung und das Tracking der Gesichtspunkte getestet haben, können sie auf „Avatar Renderer“ wechseln, um zu beobachten, wie der virtuelle Filter sich in Echtzeit an ihr Kopfbewegungen anpasst.
      • Moderne Filter auf Snapchat, Instagram, TikTok und ähnlichen Apps arbeiten ebenfalls mit Gesichtspunkt-Erkennung.

Weise darauf hin, dass Gesichtserfassung und die Erkennung von Gesichtspunkten die Grundlag für die eigentliche Identifikation von Gesichtern bildet. Die Landmarks dienen dazu, das Gesicht korrekt auszurichten. Anschließend werden Gesichtsdaten wie Licht, Farbe und Textur aus jedem Pixel extrahiert, wodurch eine einzigartige „Gesichtskarte“ entsteht. Dieser sogenannte Faceprint (vergleichbar mit einem Fingerabdruck) kann dann mit einer Datenbank von Faceprints anderer Personen abgeglichen werden, um festzustellen, ob eine Übereinstimmung vorliegt.

  1. Lasse die Schüler*innen schätzen, wie viele Landmarks die Anwendung erkennt.
    Die Anwendung kann bis zu 478 Landmarks erkennen. Eine hohe Anzahl an Landmarks ist erforderlich, um detailierte Daten für Anwendungen wie Emotionserkennung bereitzustellen.

Programmierung eines Face-Filters mit Scratch (20 min)

  1. Es folgt eine praktische Übung, in der die Schüler*innen die Gesichtserfassungstechnologie selbst ausprobieren, indem sie einen einfachen Face-Filter in Scratch erstellen.
     
    Erkläre, dass die Gesichtserfassung in Scratch, anders als die fortgeschrittenen Filter in Social-Media-Apps, nicht auf einer detaillierten Erkennung von Gesichtspunkten basiert. Stattdessen nutzt sie eine grundlegende Gesichterkennung, um allgemeine Bereiche des Gesichts zu identifizieren, wie Nase, Mund oder Augen.
     
    Es handelt sich um eine vereinfachte Version von KI-gestützten Face-Filtern, die aber die Grundidee der Funktionsweise dieser Technologie gut verdeutlicht.

Für Lehrkräfte: Eine Version des Programms/ Code wird im folgenden Video erklärt. Für die Schüler*innen wurde ein Arbeitsblatt (siehe Downloadmaterial) vorbereitet, das eine leicht angepasste Version des Codes erhält. So können alle im eigenen Tempo arbeiten.

Weitere Tutorials zu den Scratch Face Sensing-Blöcken sind hier.

Aufgabe

    • Die Schüler*innen arbeiten allein oder im Team. Lass sie in Scratch bei den Erweiterungsblöcken Face Sensing auswählen. 
    • Jetzt können sie das Arbeitsblatt (siehe Downloadmaterial) nutzen, das ihnen Schritt für Schritt erklärt, wie sie einen Filter bauen und programmieren, sodass die Effekte an bestimmten Stellen im Gesicht platziert werden. Sie lernen außerdem, eine Art „Fernbedienung“ zu programmieren, mit der sie verschiedene Gesichtsfilter auswählen können.
Konzept Face-Filter mit KI - Face Sensing

Je nach Vorkenntnissen der Klasse in Scratch empfiehlt es sich, zunächst ein Koordinatensystem als Hintergrund hochzuladen. Erkläre noch einmal, wie die Spielfiguren (Sprites) üblicherweise mithilfe der x- und y-Koordinaten auf der Bühne positioniert werden. Zeige auf eine bestimmte Position auf der Bühne und frage die Schüler*innen, welchen Koordinaten das entspricht.

Zum Beispiel kannst du fragen: „Wenn sich eine Spielfigur in der Mitte befindet, welchen Koordinaten entspricht das?“ Dies hilft den Schüler*innen zu verstehen, wie das Koordinatensystem funktioniert und wie Spielfiguren in Scratch platziert und bewegt werden.

Abschluss und Reflexion (10 Minuten)

  1. Nachdem die Übung abgeschlossen ist, reflektiert ihr gemeinsam mithilfe der folgenden Fragen:
     
    • Was hat die KI in eurer Scratch-Übung gemacht?
      Scratch erkennt die Position von Augen, Ohren oder Nase und nutzt Koordinaten, um den Filter zu platzieren. Es arbeitet dabei mit der Erkennung von Gesichtspunkten (sogenannter Facial Landmark Detection).
       
    • Welche Vorteile hat die Nutzung von Gesichtserkennung oder Filtern in Apps wie Snapchat oder Instagram?
      z.B. kreative Gestaltung, Verschönerung von Fotos, Spaß, aber auch die Unterstützung von Barrierefreiheit, etwa durch Gestensteuerung.
       
    • Welche Risiken oder Nachteile bringt diese Technologie mit sich?

      z.B. Datensammlung und Bedenken beim Datenschutz, unrealistische Schönheitsideale oder übermäßige Nutzung von Filtern.

Lasse die Schüler*innen ihre eigenen Erfahrungen mit unrealistischen Schönheitsidealen in sozialen Medien teilen.

Sammle gemeinsam mit ihnen Beispiele dafür, wie die stetige Begegnung mit scheinbar „perfekten“ Gesichtern oder makelloser Haut in sozialen Medien das eigene Selbstbild und die Wahrnehmung anderer verändern kann.

  1. Fasse abschließend die wichtigsten Punkte der Stunde zusammen:
     
    • Wie Gesichtsfilter funktionieren und wo der Unterschied zwischen dem Erkennen von Gesichtspunkten (Facial Landmark Detection) und Gesichtserkennung (Facial Recognition) liegt.
    • Welche Rolle KI und maschinelles Lernene dabei spielen, Filter in Echtzeit möglich zu machen.
    • Welche Vorteile Gesichtserkennungstechnologien bieten und welche Risiken/Nachteile bestehen.

Erweiterung (15 Minuten)

Falls noch Zeit zur Verfügung steht, kannst du mit der Klasse über weitere Einsatzbereiche von Gesichtserkennungstechniken im Alltag sprechen. Um den Einstieg zu erleichtern, findest du hier ein paar Beispiele, die du mit den Schüler*innen reflektieren kannst.

Sicherheit

Gesichtserkennung (Facial recognition) wird zur Echtzeitüberwachung und zur Identifizierung von Personen eingesetzt z.B. bei Grenzkontrollen. Gesichtserkennung kann dabei helfen, z.B. Straftäter oder Verdächtige aufzuspüren. Gleichzeitig ermöglicht sie staatliche Überwachung privater Bürger*innen.

Diskutiere mit den Schüler*innen das Spannungsfeld zwischen dem Recht auf Privatsphäre und dem Ziel kollektiver Sicherheit. Gehe darauf ein, wie Fehler in diesen Systemen dazu führen können, dass Personen fälschlicherweise mit Straftaten in Verbindung gebracht werden. Überlegt gemeinsam, wie diese Spannungen entschärft werden könnten.

Moderne Smartphones nutzen Gesichtserkennung zum Entsperren, indem sie prüfen, ob ein Gesicht autorisiert ist.

Weise auf mögliche ethnische Verzerrungen hin, die entstehen können, wenn Trainingsdaten für solche Systeme nicht vielfältig genug sind. Erzähle z.B. dass ein Mann asiatischer Herkunft bei einer Passkontrolle von einem automatischen Robotiksystem nicht erkannt wurde. (Zum Artikel) 
 
Entwickle gemeinsam mit den Schüler*innen Ideen, wie Verzerrungen vermieden und Gerechtigkeit im Algorithmus erreicht werden können.

Diese Technik wird weltweit in vielen Bereichen eingesetzt:

  • Verkehr & Automobilindustrie: Systeme erkennen Müdigkeit oder Überlastung des Fahrers, um Unfälle zu verhindern.
  • Bildung & Therapie: Humanoide Roboter unterstützen z.B. Kinder mit Autismus beim Erkennen und Ausdrücken von Gefühlen.
     

Ermutige die Schüler*innen, ihre Meinung zur Emotionserkennung zu äußern. Wie schätzen sie die Vorteile dieser Anwendungsbereiche ein?

Viel Spaß beim Ausprobieren

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