Künstliche Intelligenz

KI für die Umwelt: Mülltrennung mit neuronalen Netzwerken verstehen

In dieser Unterrichtseinheit beschäftigen sich die Schüler*innen mit dem Thema Mülltrennung und Recycling. Sie arbeiten zunächst in kleinen Gruppen, um verschiedene Abfallprodukte manuell zu sortieren. Anschließend vergleichen sie ihren Sortierprozess mit dem einer KI, indem sie ein analoges Sortierspiel nutzen, dass grundlegende Strukturen eines neuronalen Netzwerks abbildet. So wird veranschaulicht, wie sich die Lernprozesse von Mensch und Maschine unterscheiden und wie KI Muster erkennt, um Abfall richtig zu sortieren.

Ein Junge und ein Roboter die Müll in eine Mülltonne werfen.
So geht's

KI für die Umwelt

  • Vorbereitung für die Schüler*innen
    • Sich mit dem lokalen Recyclingsystem vertraut machen
    • 3-5 saubere, sichere Abfallgegenstände aus unterschiedlichen Materialien mitbringen. Einer davon sollte ein „kniffliger“ Gegenstand sein (z.B. ein Gegenstand aus mehreren Materialien)
  • Vorbereitung für die Lehrkräfte
  • Optional:
    • Zusätzliche Abfallgegenstände mitbringen, falls Schüler*innen diese vergessen
    • Eine Liste mit Vorschlägen für verschiedene Gegenstände zur Verfügung stellen, um Vielfalt sicherzustellen (z. B. Plastikflaschen, Papier, Glasgefäße, Aluminiumdosen, Pappkartons)

Einführung (5 min)

Starte die Unterrichtseinheit, indem du mit den Schüler*innen über die wichtige Bedeutung der Mülltrennung und Recyclingprozesse sprichst. Du kannst mit einer provozierenden Frage oder einer interessanten Statistik beginnen, z. B. „Wusstet ihr, dass jede Person durchschnittlich X kg Müll pro Jahr produziert?“. Erkläre kurz, warum richtige Mülltrennung wichtig für die Umwelt und die Gemeinschaft ist. Sammle dann mit den Schüler*innen ein paar Fakten über das lokale Recyclingsystem, um festzustellen, wie die Mülltrennung bei euch funktioniert.

Nach der Einführung stellst du den Ablauf der Unterrichtsstunde vor: Zuerst sortieren die Schüler*innen den Müll, den sie mitgebracht haben, manuell. Danach schauen sie sich an, wie eine KI die Mülltrennung angeht. Erkläre, dass sie dabei die Unterschiede zwischen ihrer eigenen Lernweise und der Lernweise von KI-Technologien erkunden werden.

Manuelle Müllsortierung (10min)

In der ersten Übung sortieren die Schüler*innen den Abfall, den sie zum Unterricht mitgebracht haben. Teile die Schüler*innen dafür in Gruppen von 3 bis 4 Personen auf. Entscheide dich, basierend auf eurem örtlichen Recyclingsystem, für max. 4 Kategorien zur Mülltrennung. Teile jeder Gruppe Arbeitsblatt A aus, auf dem die Schüler*innen die Mülltonnen entsprechend den Kategorien beschriften und jede Tonne ausschneiden sollen. Jetzt beginnen die Gruppen, ihren mitgebrachten Abfall zu sortieren und ihn neben den verschiedenen Mülltonnen zu platzieren.
Erste Aufgabe: Sortiert in eurer Gruppe alle Abfallgegenstände, die ihr mitgebracht habt.
Mülltonnen in einem Klassenzimmer.
Reflexion:

Nachdem alle Gegenstände sortiert wurden, frage die Schüler*innen, wie sie bei der Einordnung vorgegangen sind. Woher wussten sie, wie sie richtig sortieren sollten? Auf welche wichtigen Merkmale haben sie geachtet, um zu entscheiden, welche Gegenstände in welche Kategorie gehören? Falls es Schwierigkeiten gab – was hat die Zuordnung herausfordernd gemacht?

Antworten könnten sein: 1) Sie wissen, wie man richtig Müll trennt, weil sie es über die Zeit von ihren Eltern oder in der Schule gelernt haben, 2) sie können Stoffe wie Plastik und Papier anhand des Aussehens und der Haptik unterscheiden, und 3) neben Haptik und Aussehen haben ihnen andere Merkmale, wie das Gewicht des Gegenstandes, geholfen, die richtige Kategorie zu bestimmen.

Theoretischer Hintergrund (5 min)

Nachdem die Schüler*innen nun über ihre eigenen Sortiermethoden und Lernprozesse nachgedacht haben, erkläre den Zusammenhang zwischen ihrer Art, Gegenstände zu sortieren, und der Art, wie Maschinen lernen zu sortieren. Dieser Ansatz hilft ihnen, den Prozess hinter dem maschinellen Lernen (ML) und die Entscheidungsfindung von KI besser zu verstehen. Gib den Schüler*innen dazu die folgende Erklärung:

Wir Menschen lernen, indem wir die Welt um uns herum erfahren – wir sehen, hören, fühlen und probieren Dinge aus. Wenn wir lernen, wie der Müll getrennt werden soll, achten wir zum Beispiel auf die Größe der Gegenstände, fühlen das Material oder beobachten, wie andere den Müll sortieren. Mit der Zeit merken wir uns diese Details und können Müllarten einordnen, auch wenn sie mal ein bisschen anders aussehen.

KI lernt anders. Sie erlebt die Welt nicht so wie wir. Stattdessen analysiert sie unzählige Beispiele, wie Tausende von Bildern von Abfallgegenständen, und entdeckt darin Muster. So kann KI lernen, Dinge wie Papier und Plastik zu erkennen und voneinander zu unterscheiden. Dafür braucht sie allerdings zuerst sehr viele vorsortierte/gelabelte Beispiele, um es zu verstehen. Während Menschen also durch Erfahrungen und verschiedene Sinneseindrücke lernen, lernt KI, indem sie Muster in großen Datenmengen erkennt.

Mit dem richtigen Training können Maschinen und KI uns helfen, Müll deutlich schneller zu sortieren, als wir es manuell könnten. Dadurch wird die Mülltrennung effizienter und es kann in kürzerer Zeit mehr Abfall verarbeitet werden. Damit das möglich ist, muss die KI jedoch durch Training erst lernen, Sortierkriterien zu verstehen und Muster zu erkennen.

KI Bilderkennung analog (20min)

Im nächsten Schritt spielen die Schüler*innen ein analoges Spiel, um zu verstehen, wie eine KI Bilder erkennt und zwischen verschiedenen Objekten – in diesem Fall Abfallarten – unterscheiden kann. Diese Übung bildet vereinfacht die Datenverarbeitung in neuronalen Netzwerken ab.

Was ist ein neuronales Netzwerk?

Ein neuronales Netzwerk in der KI ist ein System, das dem menschlichen Gehirn nachempfunden ist und Informationen in verschiedenen Schichten verarbeitet, um Muster zu erkennen und Entscheidungen zu treffen. Es lernt aus Daten, indem es die Verbindungen zwischen seinen Schichten anpasst, sodass es seine Vorhersagen oder Klassifikationen mit der Zeit verbessern kann.

  • Die Idee: Erkläre den Schüler*innen, dass sie den Bilderkennungsprozess eines (vereinfachten) neuronalen Netzwerks einer KI simulieren werden. Dabei übernehmen sie die Rollen der verschiedenen Schichten innerhalb eines solchen Netzwerks. Sie filtern Merkmale aus einem Bild heraus (z. B. Form, Farbe) und klassifizieren es anhand dieser Merkmale (z. B. rund, bunt). Auf diese Weise bekommen sie ein Verständnis dafür, wie KI funktioniert und wie sich der Lernprozess vom menschlichen Denken unterscheidet.

 

Bevor das Spiel beginnt, stelle sicher, dass du Arbeitsblatt B ausgedruckt und die Bilder der verschiedenen Gegenstände ausgeschnitten hast. Jede Gruppe benötigt einen Satz Bilder und zusätzlich eine Kopie der Tabelle.

Spielanleitung

  1. Teile die Schüler*innen in Dreiergruppen ein.
    • In jeder Gruppe gibt es 3 verschiedene Rollen, von denen jede eine Schicht des neuronalen Netzwerks repräsentiert.
  2. Verteile an jede Gruppe einen Satz Bilder und eine Kopie der Tabelle.
    • Die Bilder sollten verdeckt in einem Stapel liegen.
  3. Erkläre den Schüler*innen die verschiedenen Rollen im Spiel:
    • Schüler*in A stellt die erste Schicht des neuronalen Netzwerks dar. Die Person zieht verdeckt eine Bildkarte vom Stapel (B und C dürfen das Bild nicht sehen!), malt zwei verschiedene Skizzen von dem Bild (jeweils 30 Sekunden Zeit) und gibt die Zeichnungen dann an B.
    • Wenn das Foto auf der Bildkarte farbig ist, sollte auch die Zeichnung mit der entsprechenden Farbe ausgemalt werden.

 

    • Schüler*in B erhält von A die Skizzen und überprüft, ob diese rechteckige Formen oder runde Formen beinhalten und welche Farbe sie haben (weiß oder farbig). Dann gibt B die gesammelten Informationen an C weiter.

 

    • Schüler*in C repräsentiert die letzte Schicht des Netzwerks. Die Person wertet die von B erhaltenen Informationen anhand der folgenden Tabelle aus und gibt bekannt, ob es sich bei dem Originalbild um einen Abfallgegenstand aus der Recyclingkategorie Papier, Kunststoff oder Glas handelt.
 Rund?Rechteckig?Weiß?
PapierNeinJaJa
PlastikJaNeinJa
GlasJaNeinNein
  1. Sobald Schüler*in C das Ergebnis bekannt gibt, zeigt Schüler*in A das Originalbild, und die Gruppe überprüft, ob der Erkennungsprozess erfolgreich war und der Abfallgegenstand richtig identifiziert wurde.
  2. Lass die Gruppen mehrere Runden spielen, je nachdem wie viel Zeit zur Verfügung steht. Die Schüler*innen können zwischen den Runden innerhalb ihrer Gruppe auch die Rollen wechseln.
  • Die ursprüngliche Idee für das Spiel stammt von https://www.aiunplugged.org. Hier kannst du weitere Hintergrundinformationen nachlesen.

Reflexion und Abschluss (5 min)

Reflektiert anhand der Fragen kurz das Spiel:

  • Wie ist es gelaufen?
  • Gab es irgendwelche Schwierigkeiten?
  • Habt ihr alle Schritte des neuronalen Netzwerks, das ihr simuliert habt, verstanden?

 

Während des Spiels werden die Schüler*innen wahrscheinlich wenig Schwierigkeiten haben, die Abfallgegenstände korrekt anhand ihrer Form und Farbe zu erkennen, was den Eindruck erweckt, dass ihr KI-Sortiersystem perfekt funktioniert.

Um die Reflexion über die Leistung des Bilderkennungsmodells etwas anzukurbeln, frage die Schüler*innen, ob sie irgendwelche Probleme mit dem Modell feststellen und wo die Grenzen des Systems liegen könnten. Diskutiert gemeinsam, ob dieses Modell auch dazu in der Lage wäre, alle Abfallgegenstände zu identifizieren, die sie für die erste Aufgabe mit in die Klasse gebracht haben.

Die Schüler*innen werden feststellen, dass es mit dem bestehenden Sortiermodell nicht möglich ist, alle Gegenstände und Abfallarten zu identifizieren, da Kunststoff beispielsweise nicht immer transparent ist und auch farbig sein kann, während Glas nicht immer farbig ist.

Eine weitere Herausforderung für das Modell ist auch, dass Abfall in jeder Form vorkommen kann und einige Gegenstände nur schwer anhand der Form zu identifizieren sind. Das unterstreicht die Notwendigkeit, zusätzliche Merkmale im neuronalen Netzwerk zu berücksichtigen. Überlege mit den Schüler*innen, welche anderen Kategorien (z.B. Grad der Reflektion, etc.) die KI berücksichtigen müsste, um das Sortiermodell zu verbessern.

Erweiterung (15 min)

Um die Genauigkeit des Sortiermodells zu testen, kannst du den Gruppen nach einer kurzen Testphase des Spiels zusätzliche Bilder geben, die entweder nicht in die Kategorien passen, die das Netzwerk erkennen kann (Papier, Plastik, Glas), oder die Merkmale aufweisen, die eine klare Klassifizierung nicht zulassen (Mischprodukte). Dies hilft den Schüler*innen zu verstehen, dass ein neuronales Netzwerk mehr Schichten benötigt, um für alle Arten von Abfall- und Recyclingkategorien richtig zu funktionieren.

Alle Bilder in diesem Kurs wurden mit KI oder Canva kreiert.

Viel Spaß beim Ausprobieren

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