Save the Children Konzept

KI-Begleiter und der Umgang mit Risiken

Die Jugendlichen setzen sich intensiv mit möglichen Risiken wie emotionaler Abhängigkeit, Datenschutz- und Sicherheitsbedenken sowie unangemessenen Inhalten bei KI-Begleitern auseinander. Am Ende verstehen sie besser, warum KI-Begleiter auch problematisch sind und wie sie ihr Wohlbefinden schützen können. 

OER Lizenz: CC BY SA Save the Children

Übersetzung durch tech & teach

KI-Begleiter: Umgang mit Risiken - Unterrichtskonzept von Save the Children
So geht's

KI-Begleiter: Umgang mit Risiken

Vorbereitung

  • Lade Tablets/Computer auf, sofern die Übungen digital durchgeführt werden sollen

  • Beamer/Display und WLAN testen

  • Alle Folien und Material vorab laden

  • Bei analoger Durchführung: Arbeitsblatt ausdrucken für deine Schüler*innen

Einführung (10 Minuten)

Dieses Konzept schließt an das Konzept KI-Begleiter – Eine neue Art Mensch? an. Falls du schon in einem anderen Kontext mit deinen Schüler*innen KI-Begleiter thematisiert hast, kannst du die Stunde auch so durchführen.

  1. Beginne die Stunde und stelle das Ziel vor:

    • Die Risiken von KI-Begleitern kennen, damit die Jugendlichen diese Chatbots sicher nutzen können und ihre emotionale Gesundheit geschützt wird.
    • Mache eine kurze Wiederholung der letzten Stunde. Die Jugendlichen sollen in eigenen Worten beschreiben, was ein KI-Begleiter ist und aus welchen Gründen Menschen KI-Begleiter nutzen.
  2. Leite über zu den möglichen Risiken von KI-Begleitern.

    • Erkläre, dass KI-Begleiter zwar spannend und hilfreich sein können, es aber – wie bei jeder Technologie oder auch in Freundschaften – ebenso Nachteile und Gefahren gibt.
    • Die Klasse soll heute als „digitale Detektiv*innen“ herausfinden, wo mögliche Fallen liegen und wie man sie vermeiden kann.
  3. Führe ein kurzes Brainstorming durch und frage in die Runde: Kann jemand ein mögliches Problem oder eine Sorge nennen, die entstehen könnte, wenn man einen KI-Begleiter als Freund hat? Sammelt die Antworten am Whiteboard oder der Tafel.

Mögliche Antworten deiner Schüler*innen:

Der KI-Begleiter behält Geheimnisse vielleicht nicht für sich.

Bestätige, dass dies ein wichtiger Punkt ist. Erkläre, dass Bots zwar privat wirken, die Nachrichten aber oft vom Anbieter eingesehen werden können. Selbst wenn es sich wie ein sicherer Raum anfühlt, ist es nicht dasselbe wie ein Gespräch mit einer vertrauten erwachsenen Person.

Ja, manche Bots sind hilfreich, aber sie verstehen nicht immer die ganze Situation oder die Gefühle. Sie sind z.B. nicht wie Lehrkräfte ausgebildet. Sie können Fehler machen oder gefährliche Tipps geben.

Manche KI-Apps sind so gestaltet, dass sie dich lange im Gespräch halten. Sie sind witzig, tröstend oder sagen genau das, was dich fesselt – so verdienen sie Geld und sammeln Daten. Es kann leicht passieren, dass man die Zeit vergisst. 

Wenn wir zu viel mit einem Bot sprechen, wenden wir uns vielleicht weniger an echte Freund*innen oder Erwachsene, die uns helfen und ihre Gefühle mit uns teilen. Freundschaft funktioniert in beide Richtungen, und Bots können dich nicht wirklich verstehen.

Wenn du etwas mehr Zeit hast, kannst du an dieser Stelle ein paar aktuelle Berichte über KI-Begleiter recherchieren und mit deinen Schüler*innen über darin geäußerte Bedenken und Risiken der Chatbots sprechen.

  1. Schließe die Einführung ab, indem du den Schüler*innen verdeutlichst, dass es in dieser Stunde nicht darum geht, ihnen Angst zu machen, sondern darum, dass sie KI-Begleiter reflektiert und aufmerksam nutzen. Auch, wenn sie selbst noch keine Berührungspunkte zu dieser Art von Chatbot hatten, kann das in Zukunft bei ihnen oder ihren Freunden der Fall sein. Daher ist es wichtig, Risiken zu kennen und offen darüber zu sprechen.

Informationen für Lehrkräfte

KI-Begleiter und ihren Risiken

Die zentrale Sorge bei KI-Begleitern ist die Entwicklung einer emotionalen Abhängigkeit. Betroffene verbringen oft viele Stunden mit dem Bot, bevorzugen die virtuelle Interaktion gegenüber echten Kontakten und ziehen sich sozial zurück.

Besonders Jugendliche sind gefährdet, da KI-Apps durch ständige Verfügbarkeit und positives Feedback süchtig machen können und ihre Selbstregulationsfähigkeiten noch nicht ausgereift sind. Hinzu kommt, dass KI-Begleiter weder echtes Verständnis noch fachliche Kompetenz besitzen: Sie können falsche oder gefährliche Ratschläge geben, insbesondere zu sensiblen Themen wie psychischer Gesundheit oder Sexualität, und sind nicht in der Lage, angemessen auf Krisensituationen zu reagieren.

Manche Bots liefern unmoderierte oder unangemessene Inhalte – bis hin zu sexuellen Anspielungen oder Gewalt – und können so die Wahrnehmung von Grenzen bei Minderjährigen verzerren. Außerdem besteht ein erhebliches Datenschutzrisiko, da persönliche Daten auf Unternehmensservern gespeichert werden und Minderjährige oft ohne wirksame Altersprüfung erfasst werden. Fachstellen raten deshalb vom Einsatz solcher Apps durch Kinder ab, da sie mentale Gesundheit gefährden und riskantes Verhalten fördern können.

Praxisteil (25 Minuten)

  1. Teile die Klasse in Gruppen mit je 3-4 Personen ein.

  2. Jede Gruppe bekommt eines von 2 fiktiven Szenarien zugeteilt, die auf dem Arbeitsblatt im Downloadmaterial abgebildet sind. Du kannst diese entweder ausgedruckt oder digital auf den Geräten bereitstellen. Jedes Szenario beschreibt kurz die Geschichte eines Teenagers (Alex oder Carlos), der mit einem KI-Begleiter interagiert. Es endet mit einer problematischen Situation, an der die möglichen Risiken untersucht werden sollen.
  3. Gib den Schüler*innen folgende Aufgabe

    Aufgabe:

Schaut euch euer Fallbeispiel an. Diskutiert innerhalb der Gruppen über mögliche Lösungen und Ratschläge. Die leitende Diskussionsfragen findet ihr auf dem Arbeitsblatt. Notiert wichtige Erkenntnisse. Ihr habt 20 Minuten Zeit.

  1. Verfolge die Diskussionen während der Durchführung und unterstütze die Schüler*innen ggf. mit den untenstehenden, zusätzlichen Informationen.

Für Lehrkräfte: Informationen zu Fallbeispielen

Fallbeispiel Alex
  • Gehe davon aus, dass die Schüler*innen die Suchtgefahr und die Vernachlässigung des realen Lebens erkennen.

  • Ergänze, falls nicht erwähnt, wie sich dies zu psychischen Problemen entwickeln kann (z. B. Isolation, die zu Depressionen führt).

  • Bestätige die Ratschläge der Schüler*innen: (1) Die Nutzung der KI sollte mit echten sozialen Kontakten ausbalanciert werden, (2) Zeitlimits setzen (z. B. die App nur 30 Minuten nutzen) und (3) offen mit Freund*innen darüber sprechen.

  • Reales Beispiel: Es gibt tatsächlich Nutzer*innen, die berichten, täglich stundenlang auf Replika (KI-Begleiter Plattform) aktiv zu sein und sich dadurch von anderen abgeschnitten zu fühlen. Fachleute vergleichen dies mit Spielsucht. Wie bei anderen Suchterkrankungen hilft auch hier: eine Pause einlegen oder Hilfe suchen, um wieder ins Gleichgewicht zu kommen.
  • Stelle sicher, dass die Schüler*innen den möglichen Aspekt von Grooming erkennen. Auch wenn technisch gesehen eine KI fragt, besteht das Risiko, dass jemand diese Daten missbraucht.

  • Die KI könnte die Informationen versehentlich preisgeben, wenn jemand anderes seinen Account nutzt.

  • Achte auf Antworten wie: Er sollte niemals persönliche Daten wie Adresse oder Fotos mit einer nicht vertrauenswürdigen App teilen.

  • Weise darauf hin, dass viele Apps ausdrücklich davor warnen, persönliche Daten an einen Bot weiterzugeben.

  • Fördere eine Diskussion darüber, dass die App möglicherweise nicht wirklich sicher ist und ein Täter so an Carlos Adresse gelangen könnte – deshalb ist Datenschutz so entscheidend.

  • Erwähne, dass manche Betrüger sogar gefälschte KI-Freundschafts-Apps entwickeln, um Kinder anzulocken.
  1. Für jedes Szenario stellt nun ein*e Schüler*in aus jeder Gruppe die Erkenntnisse vor.

    Notiere währenddessen wichtige Stichworte zu Risiken am Whiteboard. Alle anderen Schüler*innen denken darüber nach, ob sie noch weitere Risiken in der Geschichte feststellen können, ob sie den erarbeiteten Ratschlägen zustimmen und noch weitere Vorschläge haben.
Zu erwartende Stichworte könnten sein:
  • Abhängigkeit/Suchtgefahr
  • Schlechte Ratschläge
  • Datenschutzlecks
  • Unangemessene Inhalte
  • Isolation
  • Fehlende Hilfe, etc.  

Abschluss (10 Minuten)

  1. Schließe die Stunde ab, indem du die wichtigsten Erkenntnisse zusammenfasst:

    • Privatsphäre schützen: Nicht zu viel mit KI teilen, bewusst sein, dass Unternehmen Daten sammeln.
    • Balance halten: Eigenen Medienkonsum steuern, Grenzen setzen, Balance zu realen Freundschaften halten.
    • Identität wahren: KI darf Selbstbild und Beziehungen nicht verzerren; echter Selbstwert kommt nicht von KI.
    • Digitale Kompetenz nutzen: KI-Verhalten kritisch analysieren, Falschinfos und Manipulation erkennen, Inhalte hinterfragen.
    • Empathie zeigen: Verständnis für Betroffene zeigen, Gefühle ernst nehmen, respektvoll mit sich und anderen umgehen.
    Betone, dass KI ein starkes Werkzeug ist, weshalb es wichtig ist, Gefahren zu kennen, kritisch zu denken und die Technologie verantwortungsvoll nutzen.

Erweiterung (15 Minuten)

Für fortgeschrittene Lernende kann ein Projekt oder eine Debatte zu Ethik und Regulierung von KI-Begleitern sinnvoll sein. Zum Beispiel könnten die Schüler:innen recherchieren und diskutieren: „Sollten KI-Begleiter-Apps für Minderjährige verboten werden?“ 

Weitere Ressourcen
  • eSafety Commissioner. (2025). AI chatbots and companions – risks to children and young people. Canberra, AU: Office of the eSafety Commissioner. Zur Quelle 
  • Adam, D. (2025). What are AI chatbot companions doing to our mental health? Scientific American. Zur Quelle 
  • De Freitas, J., Uğuralp, A. K., Uğuralp, Z. O. & Puntoni, S. (2024). AI companions reduce loneliness. Harvard Business School – working paper. Zur Quelle 
  • Siddals, S., Torous, J. & Coxon, A. (2024). “It happened to be the perfect thing”: Experiences of generative AI chatbots for mental health. Mental Health Research, 3(48). Zur Quelle  
Viel Spaß beim Ausprobieren

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