Wie Lehrkräfte fit für den digitalen Unterricht werden

16.05.2019

Wie Lehrkräfte fit für den digitalen Unterricht werden

Bei der Vermittlung wichtiger Digital-Kompetenzen kommt Lehrkräften eine Schlüsselrolle zu. Aus diesem Grund lädt Coding For Tomorrow sie zu kostenlosen Schulungen ein. Denn das Ziel ist, junge Menschen auf die digitale Zukunft vorzubereiten. An zwei Nachmittagen lernen LehrerInnen die Grundlagen des Programmierens und digitaler Unterrichtsinhalte kennen.

Ein ehemaliges Fabrikgebäude im Hinterhof in Düsseldorf-Oberbilk. Helle Holzbänke, graue Sitzwürfel. Auf weißen Tischen liegen Laptops, Tablets und diverse Lernkarten. In einer Sitzecke haben sich 22 Lehrerinnen und Lehrer zusammengefunden. Sie alle eint zwei Dinge: Sie unterrichten an Grundschulen und interessieren sich für digitale Bildung. Deshalb sind sie heute hier, zum ersten Teil der Fortbildung „Schulung für Lehrkräfte an Grundschulen“. Coding For Tomorrow möchte das ins Rollen bringen, was gerade in aller Munde ist – wovon aber keiner eine rechte Idee hat, wie man es an den Schulen umsetzen könnte: Kinder und Jugendliche auf die digitale Zukunft vorbereiten. Schließlich ist die Hälfte der Berufe, die es 2030 geben wird, heute noch nicht erfunden – sagt zumindest Zukunftsforscher Gerd Leonhardt. Was definitiv schon feststeht: Alle Berufe werden digitaler. Wer nicht mit Computer oder Tablet umgehen kann, wer nicht versteht, was ein Algorithmus ist oder wie Programmieren funktioniert, wird es auf dem Arbeitsmarkt der Zukunft schwer haben. Und: Wer die schier unendlichen Möglichkeiten nur als passiver Nutzer – nicht aber als aktiver Gestalter – zu bedienen weiß, wird von der Technik beherrscht. Dabei müsste der umgekehrte Zustand das Ziel sein: junge Menschen sollten zu kreativen Problemlösern werden. Dafür gibt es Coding for Tomorrow.

Digitales im Unterricht einzubauen ist kein Hexenwerk

„Ich möchte auf den Stand meiner Schüler kommen“, sagt eine Lehrerin bei der Vorstellungsrunde. „Die sind bei allem Digitalen schon viel weiter.“ Vor den knapp zwei Duzend Lehrkräften steht Svenja Wissmann, Trainerin bei Coding for Tomorrow. Sie weiß um die Sorgen und Nöte der Lehrkräfte, wenn es um Digitales im Unterricht geht. „Viele haben die Befürchtung, dass es ein Hexenwerk ist, mit digitalen Tools den Unterricht zu gestalten. Dabei ist es ganz leicht – wenn man sich damit beschäftigt“, sagt die studierte Gymnasiallehrerin. Manche der TeilnehmerInnen kommen mit ihren Klassen schon seit ein paar Monaten regelmäßig in das Düsseldorfer Hub. Um die Tools jedoch selbst souverän im Unterrichtsalltag nutzen zu können, fehlt es ihnen häufig an Hintergrundwissen. Deshalb bietet Coding For Tomorrow Lehrkräfteschulungen an,  die sich am Medienkompetenzrahmen NRW orientieren.

Digitale Bildung ist ein Thema für alle Fächer

Nach der Vorstellungrunde nutzt Trainerin Svenja das Umfrage-Tool Mentimeter (menti.com). Alle Teilnehmenden werden aufgefordert zu beschreiben, was Coding für sie bedeutet. Auf dem Bildschirm erscheinen die Stichworte „Logisch denken“ oder „Wie eine Fremdsprache lernen“. Dann geht es um die Frage, ob Programmieren ein eigenes Unterrichtsfach sein sollte, oder ob es in jedem Unterrichtsfach Platz eingeräumt bekommen muss. Die Teilnehmenden stimmen ab und sind sich mit 75 Prozent schnell einig: Es soll ein eigenes Unterrichtsfach werden. Svenja sieht es differenzierter. Im späteren Gespräch erklärt sie: „Das Digitale tangiert alle Bereiche der Gesellschaft, es ist ein übergreifendes Thema. Meiner Meinung nach sollte es in allen Fächern Einzug halten. Wenn Programmieren ein extra Unterrichtsfach ist, wird es bloß ausgelagert, das wäre nicht der richtige Ansatz. Daher vermitteln wir den Lehrkräften einen Ansatz, der in allen Fächergruppen Anwendung findet.“

Lehrkräfte wünschen sich Best-Practice-Beispiele

Dann geht es auch schon los. In drei Gruppen beginnen die GrundschulpädagogInnen, Scratch Junior zu entdecken. Auf den Tischen liegen Tablets und Übungskarten bereit. Mit der visuellen Programmiersprache – geeignet für Kinder ab fünf Jahren – können eigene Geschichten und erste kleine Animationen programmiert werden. Scratch Junior eignet sich beispielweise für Animationen im Sachunterricht sowie für Geschichten und Dialoge im Sprachenunterricht. Immer dabei: Eine Trainerin oder ein Trainer, um Fragen zu beantworten. Häufig helfen sich die Teilnehmenden aber auch untereinander. Nach der Übung werden die Ergebnisse präsentiert und erste Eindrücke miteinander geteilt. „Uns ist es wichtig, immer gleich auch die praktischen Möglichkeiten des Einsatzes digitaler Technologien im Unterrichtskontext zu vermitteln“, sagt Svenja. Kaffeepause, dann geht es mit der nächsten Übung weiter, diesmal mit Scratch – es baut auf Scratch Junior auf und eignet sich für den Einsatz ab der dritten Klasse. Jetzt programmiert jeder sein eigenes Spiel. Die Teilnehmer haben bei der nachfolgenden Präsentation und Feedbackrunde Fragen zur konkreten Umsetzung – und wünschen sich vor allem Best-Practice-Beispiele. „Wie mache ich das mit meinen 20 Schülern?“ oder „Ich unterrichte gar kein Deutsch, was kann ich in Kunst machen?“.

Es ist kurz vor 17 Uhr, gleich ist Schulungs-Ende. Als Ausblick sagt Svenja: „Eigentlich hätte ich euch gerne noch ein drittes Tool gezeigt: Makey Makey. Das machen wir dann nächste Woche im zweiten Teil der Fortbildung.“ Svenja weist darauf hin, dass die Teilnehmenden in der Zwischenzeit die Möglichkeit haben, im Downloadbereich von Coding For Tomorrow vorbeizuschauen (www.coding-for-tomorrow.de). Dort finden sie viele konkrete Ideen und Lernkarten für den Unterricht. Und um noch mehr Sicherheit beim Umgang mit den digitalen Tools zu erlangen, bietet Coding For Tomorrow zusätzlich Projekttage an. Dann wird es ernst, denn die Lehrkräfte kommen mit ihrer Klasse in das Düsseldorfer Hub und werden wieder von Trainern bei der Umsetzung ihres „neuen“ Unterrichts begleitet. Dieser Anschub ist häufig wichtig, damit sich die GrundschulpädagogInnen nicht allein mit der Technik fühlen. Svenja und ihre Trainer-KollegInnen stehen dann gerne mit Rat und Tat zur Seite.

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