Digital, aber wie

16.01.2020

Panel-Diskussion „Digital, aber wie“: Für guten digitalen Unterricht braucht es Frustrationstoleranz, Offenheit und ein starkes Netzwerk

Wie verändert das Digitale die Unterrichtssituation? Wie verändert es die Rolle der Lehrkraft und die der Schülerinnen und Schüler? Was braucht es dafür an der Schule? Und wie kann die Anwendung digitaler Lern- und Lehrmethoden ganz praktisch aussehen? Am 16. Januar 2020 diskutierten auf dem Podium im Hub für digitale Bildung der Intitative Coding For Tomorrow die Bloggerin und Lehrerin Nina Toller, die Lehrkräfte Simon Stettner und Mathias Pevestorf sowie ein Schüler und eine Schülerin die Möglichkeiten des Digitalen im Unterricht. Auch in der anschließenden Diskussion mit Florian Dirszus, dem stellvertretendem Leiter des Schulverwaltungsamtes, sowie Vertreterinnen und Vertretern der städtischen Verwaltung, der Ministerien, Bildungspraxis und interessierten Öffentlichkeit gab es einen regen und kontroversen Austausch zu aktuellen Herausforderungen und Potenzialen der digitalen Transformation im Bildungssektor.

Ob zur effizienteren Gestaltung von Unterrichtsabläufen, zur kreativen Vermittlung von Unterrichtsinhalten oder zur Einbindung der Schülerinnen und Schüler in das Erstellen der Lehrmaterials – auf dem Podium herrschte Einigkeit darüber, dass die Möglichkeiten zum Einsatz digitaler Medien im Unterricht vielfältig seien – und zahlreiche Best Practice-Beispiele bereits vorhanden. Dabei sei das Digitale natürlich kein Selbstzweck: „Wenn ich mir den Unterricht der Zukunft vorstelle, sehe ich Schülerinnen und Schüler, die selbstständig und kollaborativ arbeiten, selbst Lerninhalte produzieren und gemeinsam an Problemstellungen arbeiten. Die dafür notwendigen Kompetenzen – Kommunikation, Kollaboration, Kreativität oder kritisches Denken – sind nicht per se digital. Aber ein guter digitaler Unterricht bietet aus meiner Sicht die besten Voraussetzungen für ihre Vermittlung.“, argumentierte Nina Toller.

Frustrationstoleranz, Mut und Offenheit – ein neues Rollenverständnis von Lehrkraft und Schüler
„Mit der digitalen Transformation der Schule ändert sich auch die Rolle von Lehrkräften: Wir müssen alle neugieriger sein und selbst wieder zu Lernenden werden.“, erklärte Simon Stettner von der Realschule Golzheim. Man könne eben nicht mehr alles bis ins kleinste Detail planen, sondern vieles entstehe im Prozess. Das erfordere sowohl bei Schülerinnen und Schülern als auch bei Lehrkräften Offenheit und Mut stimmten Phillip, Schüler an der Werner-von-Siemens Realschule, und Mathias Pevestorf, Lehrkraft an der Matthias-Claudius Grundschule Pempelfort, zu. „Als Lehrkräfte brauchen wir mehr Offenheit: Gegenüber digitalen Technologien, aber auch dafür, von den Schülerinnen und Schülern zu lernen“, so Pevestorf. Auch Toller plädierte für Authentizität und Transparenz beim Experimentieren im Unterricht. Das würde von Schülerinnen und Schülern nicht nur wertschätzend aufgenommen werden, sondern ermögliche auch, gemeinsam konstruktiv an der Unterrichtsmethodik zu arbeiten. Wichtig sei es, sich nicht entmutigen zu lassen und eine gewisse Frustrationstoleranz gegenüber neuen Problemstellungen zu entwickeln.

Gemeinsam weiterkommen – die Rolle des Netzwerks
Aber wie schafft man den Einstieg ins Digitale? Diese Frage war sowohl auf dem Podium als auch in der anschließenden Diskussion mit dem Publikum essentiell. Dabei wurde auf der einen Seite die Bedeutung der Vernetzung unter Lehrkräften betont. Inspiration könne man sich gut vom Kollegium holen, erzählten Stettner und Pevestorf, aber auch digitale Angebote wie Nina Tollers Blog oder das #twitterlehrerzimmer seien gute Inspirationsquellen. Andererseits müssten Lehrkräfte selbst in die Pflicht genommen werden: Schüler Phillip appellierte an die Lernbereitschaft der Lehrerinnen und Lehrer, während Toller und Stettner die Effektivität niedrigschwelliger, einfacher Anwendungen wie QR-Codes oder Abstimmungsapps betonten, die einen schnellen Einstieg in den digitalen Unterricht ermöglichen. Doch auch die Lehreraus- und –fortbildung müsse sich ändern: „Es braucht mehr Freiräume, neue Strukturen und Unterstützung, um langfristig guten digitalen Unterricht zu machen“, betonte Pevestorf. Auch Toller forderte strukturelle Veränderungen für mehr Raum und Zeit zur Fortbildung um das Thema Digitales.

In der anschließenden Diskussion mit dem Publikum wurde ebenfalls vermehrt auf die die Bedeutung von Fortbildungsformaten hingewiesen und die Wichtigkeit des regionalen und lokalen Netzwerks herausgestellt. So erzählte Florian Dirszus, stellvertretender Leiter des Schulverwaltungsamts, dass man auf eine vom Schulträger unterstützte, stärkere Vernetzung der Lehrkräfte aller Schulformen hinarbeite. Auch die Bedeutung der Vernetzung entlang der verschiedenen Entscheidungsebenen und die Vorbildfunktion der Schulleitung wurden rege diskutiert.

„Es hilft auch, neue Lernformate mit Schülerinnen und Schülern gemeinsam zu begreifen: Das haben wir zum Beispiel mit einem Peer Learning-Projekt versucht, in dem Studierende der Hochschule Düsseldorf mit Schülerinnen und Schülern meiner Digital AG gemeinsam an digitalen Innovationen und Prototypen wie zum Beispiel Datenbrillen tüftelten“, so Stettner. Abschließend waren sich alle Beteiligten einig, dass hinter der Vermittlung von Bildung immer ein großes Netzwerk an Akteuren steht und der wichtigen Aufgabe der digitalen Transformation an Schule nur gemeinsam begegnet werden kann. Dafür braucht es Experimentier-Räume wie den Hub von Coding For Tomorrow, gute Schulungsangebote – und vor allem eins: die richtige Einstellung.

Laura Schubert
Vodafone Stiftung Deutschland gGmbH
Telefon: +49 172 1015 700
presse@codingfortomorrow.de

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